Sicherheitskultur

Die blanke Wahrheit ist, dass wir in einem Zustand von Überwachung leben, der beispiellos ist. Viele Menschen sind berechtigterweise besorgt oder haben Angst vor Unterdrückung durch den Staat. Aber diese Angst kann zu Paranoia und Lähmung führen. In Folge dessen werden sich einige nicht im radikalen Aktivismus beteiligen. Andere werden engagiert bleiben, aber ihre Paranoia wird eine erstickende Atmosphäre kreieren und andere Menschen vertreiben. Das Ergebnis? Unsere Bewegungen sterben.

Eine Sicherheitskultur - eine einfache Reihe von Regeln denen jeder folgen kann - reduziert Paranoia und Angst, und bringt uns mehr Sicherheit, sodass wir effektiv unsere Arbeit machen können. Diese Seite ist eine grundlegende Einführung in Sicherheitskultur und sollte nicht als umfassend betrachtet werden. Sei klug und passe es an deine spezifische Situation an.

Was ist eine Sicherheitskultur?

Sicherheitskultur ist eine Reihe von Praktiken und Einstellungen die darauf ausgelegt sind die Sicherheit politischer Gruppen zu erhöhen. Diese Richtlinien wurden auf Grundlage gegenwärtiger und historischer Unterdrückung durch Staaten erstellt und helfen Paranoia zu reduzieren und die Effektivität zu erhöhen.

Regeln der Sicherheitskultur

Sprich nicht über...

  • deine Mitwirkung oder die Mitwirkung einer anderen Person in einer Untergrundbewegung
  • deinen Wunsch oder den einer anderen Person bei einer solchen Organisation mitzuwirken
  • Deine Beteiligung oder die einer anderen Person bei illegalen Aktionen
  • die Befürwortung einer anderen Person für solche Aktionen.
  • deine Pläne oder die einer anderen Person für zukünftige illegale Aktionen
  • frag keine anderen Personen, ob sie Mitglied einer Untergrundorganisation sind
  • sprich nicht über illegale Aktionen in Bezug auf spezifische Zeiten, Leute, Orte etc.

Gewaltfreier ziviler Ungehorsam ist illegal, kann jedoch manchmal öffentlich diskutiert werden. Generell gilt, dass die Spezifika gewaltfreien zivilen Ungehorsams nur mit solchen Leuten diskutiert werden sollten, die an den Aktionen teilnehmen oder sie unterstützen.

Es ist trotzdem akzeptabel (und sogar förderlich) sich öffentlich für alle Formen des Widerstandes auszusprechen, solange Du dabei keine spezifischen Leute, Zeiten, Orte ect. ansprichst, aber nur wenn das in deiner spezifischen Rechtsprechung legal ist. Selbst wenn dies legal sein sollte, sei dir eventueller Repressionen oder Konsequenzen bewusst, sodass du eine fundierte Entscheidung darüber treffen kannst, welches Risiko du bereit bist einzugehen.

Sprich nie mit Polizei, FBI-Offizieren etc.

  • Es spielt keine Rolle ob du schuldig bist oder unschuldig. Es spielt keine Rolle wie intelligent du bist. Sprich niemals mit Polizisten, FBI, Verfassungsschutz etc. Es spielt keine Rolle, ob du glaubst dass du Polizisten etwas erzählst was sie bereits wissen. Es spielt keine Rolle, ob du mit den Polizisten nur plauderst. Jede Unterhaltung mit Polizei, FBI-Offizieren etc. wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Dir oder anderen schaden.
  • Wenn du mit einem Polizisten sprichst gibst du ihm (oder ihr) Gelegenheit gegen dich auszusagen; entweder aufgrund dessen was du gesagt hast oder aufgrund dessen was sie behaupten, das du gesagt hättest.
  • Sag einfach und freundlich, dass du schweigen möchtest. Frag nach ob du verhaftet oder unter Arrest gestellt wirst. Wenn nicht, dann geh einfach. Falls du verhaftet oder in Gewahrsam genommen wirst, dann wiederhole zu jedem der fragt, dass du schweigen und mit einem Anwalt sprechen möchtest. Gib nichts anderes als nur deinen Namen, deine Adresse und dein Geburtsdatum an.
  • Die meisten Verurteilungen, egal ob Leute schuldig oder unschuldig sind, wurden verursacht durch Leute, die geplaudert haben, nicht durch Ermittlungsarbeit.
  • Sei kein Verräter! Ein Verräter ist jemand, der die Polizei oder Bundespolizei mit Informationen versorgt, um mildernde Umstände für sich selbst zu erhalten. Dies geschieht manchmal nachdem sie festgenommen und gebeten wurden als Informant zu arbeiten. Als Gegenleistung erhalten sie vielleicht Geld oder die Polizei ignoriert ihre illegalen Verhaltensweisen. Erfahre mehr über einen prominenten Verräter (English)
  • Informiere dich über Tricks und Drohungen bei Verhörungen.
  • Schau dir "Sprich nicht mit Polizei - Teil 1" und "Sprich nicht mit Polizei - Teil 2" auf YouTube an. (English)

Lass' niemals Polizisten, FBI-Agenten, etc. in dein Heim wenn sie keinen Durchsuchungsbefehl haben

  • Wenn du einen Polizisten in dein Heim lässt haben sie deine Zustimmung es zu durchsuchen.
  • Wenn sie zu dir nachhause kommen um Fragen zu stellen, dann lass sie nicht herein. Während du in der Tür stehst, oder draussen, mit der Tür hinter dir geschlossen, sag freundlich: "Ich möchte schweigen." Frag sie ob du verhaftet bist, oder ob sie einen Durchsuchungsbefehl haben. Wenn sie nein sagen, geh zurück in dein Heim und schließe freundlich die Tür. Wenn sie trotzdem hineinkommen, widersetze dich nicht einer Verhaftung. Sag nur: "Ich stimme einer Durchsuchung nicht zu." Beobachte wer sie sind und was sie tun.

Sei Schlau

  • Lerne die Gesetze in deinem Land / Bundesland / Rechtssprechung: lerne was du sagen kannst und was nicht, lerne welche Handlungen legal und welche illegal sind; lerne was frühere Aktivisten versucht haben und was legal ist.
  • Besorge Dir die Kontaktinformation von Rechtsanwälten für Aktivisten in deiner Region heraus: Wenn du zu einer Aktion gehst, schreib deren Telefonnummer mit einem Permanentschreiber auf deinen Körper.
  • Vernetze dich mit erfahrenen Aktivisten: Sie werden eine Fülle von Erfahrung und Wissen über die Aktivismuslandschaft in deiner Gegend haben und können dir beibringen was die lokale Logistik und Strategien sind um in Sicherheit zu bleiben.

Mythen über die Sicherheitskultur

Mythos #1

"Wenn ich meine Identität verberge bin ich sicher."

"Wenn ich die DGR Website lese, dann komme ich auf eine Regierungsliste"

"Ich möchte meinen Namen nicht auf einer Registrierungsliste für einen DGR Workshop haben, sodass sie nicht wissen wer ich bin."

  • Jede Aktion beinhaltet Risiko. Nichts kann Sicherheit garantieren. Jede öffentliche Aktion kann Repressionen nach sich ziehen. Eine Sicherheitskultur macht uns effektiver.
  • Öffentliche Widerstandsbewegungen schützen sich fast ausschließlich durch die Anzahl ihrer Mitglieder und die Solidarität der Öffentlichkeit.
  • Es gibt keine Möglichkeit, effektive öffentliche Widerstandsarbeit zu leisten und deine Identität verborgen zu halten. Noch ist es von Vorteil oder notwendig, deine Identität zu verbergen um öffentlich Widerstand zu leisten.
  • Öffentliche Wierstandsbewegungen können ihre Mitgliederanzahl und die ihrer Unterstützer nur erhöhen, wenn sie offen sind und so die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen.
  • Arbeite unter der Annahme, dass alle Internet- und Telefonkommunikation überwacht ist. Da aber öffentliche Organisationen nichts zu verbergen haben, außer gelegentlichem zivilem Ungehorsam, müssen wir Internet und Telefon für die Kommunikation nutzen, um uns effektiv zu organisieren.
  • Eine der Hauptrollen einer öffentlichen Organisation ist es das öffentliche Gesicht der Bewegung zu sein. Wir sagen zum Beispiel öffentlich: "Ich unterstütze diese Strategie und ich befürworte DGR". Diese wichtige Arbeit kann nicht geleistet werden, wenn wir ständig versuchen unsere Identitäten zu verbergen.
  • Es gibt vollkommen legitime Gründe für den Wunsch nicht aufzufallen. Deine Identität komplett zu verbergen, während du dich in irgendeiner Bewegung engagierst ist praktisch unmöglich. Wenn du einen Grund hast, keine Aufmerksamkeit der Regierung auf Dich zu ziehen (Wenn du beispielsweise kein Staatsangehöriger bist), dann ist das Beste, um so sicher wie möglich zu sein, sich in keiner Weise öffentlich zu engagieren.

Mythos #2

"Wir müssen den bundesstaatlichen Agenten, Polizeioffizier oder Spion etc. identifizieren."

  • Es ist weder sicher noch eine gute Idee generell über mögliche Spione zu spekulieren oder Leute als solche zu beschuldigen. Dies ist eine Taktik, die oft von Spionen angewandt wird, um Bewegungen zu zerstören.
  • Paranoia kann zerstörerisches Benehmen hervorrufen.
  • Falsche / ungesicherte Beschuldigen anzustellen ist gefährlich.

Mythos #3

"Polizisten müssen sich identifizieren. Polizisten können dich nicht anlügen."

  • Undercover Spione könnten ihren Job nicht tun, wenn sie sich identifizieren müssten.
  • Polizisten haben die offizielle Erlaubnis zu lügen - und tun dies routinemäßig - um Fügsamkeit zu fördern, auf der Straße und vor allem in Verhören. Polizisten und andere Agenten präsentieren außerdem falsche Beweise in Form von Bildern, Video und Audio um Leute dazu zu bringen über andere Leute zu reden.
  • Staatliche Agenten aller Art können dich, deine Freunde und deine Familie bedrohen. Die beste Verteidigung ist nicht zu reden, ihnen nicht zu glauben, nicht zu kooperieren und andere um Hilfe zu fragen.

Mythos #4

"Sicherheitskultur garantiert meine Sicherheit."

  • Eine Sicherheitskultur macht dich sicherer, aber jede effektive Aktivität kann zu Repression führen.
  • Nichts kann Sicherheit garantieren, aber eine Sicherheitskultur macht uns effektiver.
  • Strikte Trennung zwischen öffentlichen Organisationen und jeglichen Untergrundorganisationen die existieren oder existieren werden, hilft Menschen zu schützen.

Verletzungen der Sicherheitskultur

Verhalten, nicht die Personen, ist das Problem

  • Es gibt viele Verhaltensweisen, die Gruppen zerstören oder sie unsicher machen können. Ob jemand ein Polizist ist oder nicht, spielt keine Rolle. Konzentriere dich darauf das Verhalten zu adressieren.
  • Einige der Verhaltensweisen nach denen Ausschau gehalten werden sollte sind: Sexismus, beleidigendes Verhalten, Tratsch, und das Anzetteln von Konflikten zwischen Individuen oder Gruppen.

Was zu tun ist, wenn es Verletzungen der Sicherheitskultur gibt

  • Belehre (taktvoll und vertraulich) und verweise Leute die die Sicherheitskultur misachten auf weitere Ressourcen.
  • Lass Verstöße nicht durchgehen oder zur Routine werden.
  • Chronische Verletzter der Sicherheitsregeln haben denselben schädlichen Effekt wie Spione. Es ist wichtig und notwendig Grenzen zu ziehen. Wenn ein Mitglied ständig die Regeln der Sicherheitskultur bricht, selbst wenn er/sie gemaßregelt wurde, sollte er/sie von der Gruppe ausgeschlossen werden, um die Sicherheit der gesamten Gruppe zu gewährleisten.

Ressourcen (English)

Häufig gestellte Fragen

F: Habt ihr Anwälte, die uns unterstützen, wenn wir aktiv sind?

A: Momentan sind wir dabei rechtliche Unterstützung aufzubauen. Wir benötigen Freiwillige für diese und andere Aufgaben.


F: Was soll ich sagen, wenn jemand sagt: "Ich möchte eine Untergrundorganisation gründen, einer Untergrundorganisation beitreten, einen Unterschlupf bereitstellen etc."

A: Sage: "Wir sind eine öffentliche Organisation. Wir möchten uns nicht beteiligen. Wir beantworten keine Fragen bezüglich eines persönlichen Wunsches einer Untergrundorganisation beizutreten oder zu gründen."

Breche sofort die Unterhaltung ab, wenn sich Lücken in der Sicherheitskultur ergeben. Manchmal musst du die Unterhaltung abbrechen.

Sage nicht "die Untergrundorganisation" - dies könnte implizieren wir stünden in Kontakt mit einem bereits existierenden Untergrund. Stattdessen sage "ein Untergrund" (der existieren kann der auch nicht).

Weitere Fragen bezüglich Sicherheit? Email uns:

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