Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum radikalen Feminismus

Was ist radikaler Feminismus?

Es gibt viele Arten Feminismus. Radikaler Feminismus zielt auf den ursprünglichen Grund der Krise ab, von der Frauen betroffen sind: das System der Gewalt, das Menschen nach Geschlecht in eine herrschende (Männer) und eine unterdrückte Klasse (Frauen) einteilt.

Dieses System der Gewalt heißt Patriarchat und über die letzten 2000 Jahre hinweg hat es die Herrschaft über den Großteil der Welt erlangt. Die patriarchalische Zivilisation basiert darauf, sowohl Frauen als auch lebendige Gemeinschaften und die Erde selbst auszubeuten und aufzubrauchen.

Radikale FeministInnen streben an, alle Frauen von Unterdrückung zu befreien. Wir stehen auf der Seite von Frauen und leisten Widerstand gegen männliche Gewalt in all ihren Formen, einschließlich Vergewaltigung, Pornografie, Prostitution, Tötung von weiblichen Neugeborenen und Gebärzwang. Wir nehmen den Frauenhass auseinander, sowie auch Biophobie (Angst vor und Hass auf die Natur) und Lesbophobie (Angst vor und Hass auf Lesben).

Radikale FeministInnen in DGR verschreiben sich dem Vorhaben, diese brutale patriarchale Kultur zu zerstören und so die Erde, die Quelle des Lebens, zu verteidigen - sowie auch unsere Schwestern, die Frauen überall auf der Welt.

Wollen radikale FeministInnen eine Welt, die von Frauen beherrscht wird?

Dee Graham spricht über dieses Thema in ihrem Buch Loving to Survive (S. 243):

Das Patriarchat stellt sich das Matriarchat als bloße Umkehrung der Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen vor, doch das Matriarchat basiert auf einer Zurückweisung der Denkweise, auf der diese männliche Fantasie aufbaut. Das Matriarchat ist eine völlig andere Form der Organisation als das Patriarchat und betont das, was Miller als "Macht mit" anstatt "Macht über" bezeichnet. Love und Shanklin definieren das Matriarchat als eine Gesellschaft, in der alle zwischenmenschlichen Beziehungen der nährenden, pflegenden Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind nachempfunden sind. Laut diesen AutorInnen beeinflusst diese fürsorgliche Herangehensweise alle sozialen Institutionen. Das Ziel solcher Beziehungen ist, 'den einzigartigen Willen jedes Individuums' zu stärken, um so 'offene, vertrauensvolle, kreative Bindungen mit anderen aufzubauen.'

Warum bezichtigen manche Leute Deep Green Resistance der Transphobie?

DGR ist der Transphobie bezichtigt worden, weil es eine Meinungsverschiedenheit darüber gibt, wie Gender (oder soziales Geschlecht, d.Ü.) zu definieren ist.

DGR befürwortet Entmenschlichung oder Gewalt gegen niemanden, auch nicht gegen Personen, die sich als trans beschreiben. Die universellen Menschenrechte sind universell. DGR hat einen strikten Verhaltenskodex, der Gewalt und Misshandlungen verbietet. Wer diesen Kodex verletzt, ist nicht länger Mitglied von DGR.

Aber eine andere Meinung als jemand zu haben ist keine Form der Gewalt. Und wir haben eine große Meinungsverschiedenheit.

Radikale Feministinnen kritisieren das Konzept des Gender selbst. Wir wollen Gender nicht reformieren - wir wollen es abschaffen. Ohne die sozial konstruierten Geschlechterrollen, die die Basis des Patriarchats bilden, würden alle Leute sich so anziehen und verhalten können, wie sie wollen, und andere auf jede Weise lieben können, die sie wünschen, egal, welche Art Körper diese Person besitzt.

Das Patriarchat ist ein Kastensystem, das Menschen, die biologisch männlich oder weiblich zur Welt gekommen sind, in Angehörige sozialer Klassen, die Männer und Frauen genannt werden, verwandelt. Männliche Personen werden in Männer verwandelt, indem ihnen Maskulinität anerzogen wird. Diese ist durch eine Psychologie der emotionalen Taubheit und eines Gegensatzes zwischen dem Selbst und dem Anderen definiert. Dies ist auch die Psychologie, die SoldatInnen benötigen, weshalb wir denken, dass es unmöglich ist, FriedensaktivistIn zu sein, ohne auch FeministIn zu sein.

Die weibliche Erziehung im Patriarchat ist ein Prozess, in dem Mädchen psychologisch eingeengt und gebrochen werden - was in anderen Kontexten als "grooming" bezeichnet wird - um eine Klasse von gefügigen Opfern zu erschaffen. Femininität ist ein Satz von Verhaltensweisen, die grundsätzlich ritualisierte Unterwerfung darstellen.

Wir sehen an der Erschaffung von Gender nichts, was gefeiert oder akzeptiert werden sollte. Das Patriarchat ist eine korrupte und brutale Machtkonstellation und wir wollen es zerstört sehen, sodass die Kategorie 'Gender' nicht mehr existiert. Das ist auch unsere Position zu Rasse und Klasse. Diese Kategorien sind nicht natürlich: sie existieren nur, weil hierarchische Machtsysteme sie erschaffen (siehe bspw. Audrey Smedleys Buch Race in North America). Wir wollen eine Welt der Gerechtigkeit und Gleichheit, in der die materiellen Umstände, die im Moment Rasse, Klasse und Gender erschaffen, für immer überkommen sind.

Das Patriarchat macht es einfach, weibliche Körper zugunsten von Männern auszubeuten - für männliche sexuelle Befriedigung, billige Arbeitskraft und Fortpflanzung. Um nur ein Beispiel zu nennen: es gibt ganze Dörfer in Indien, in denen alle Frauen nur eine Niere haben. Warum? Weil ihre Ehemänner die Andere verkauft haben. Gender ist kein Gefühl - es ist eine Menschenrechtsverletzung gegen eine ganze Klasse von Menschen, "Menschen, die Frauen genannt werden."[1]

Wir sind nicht "transphob." Wir haben allerdings eine andere Meinung dazu, was Gender ist. GenderistInnen denken, dass Gender etwas Natürliches ist, ein Produkt der Biologie. Radikale FeministInnen denken, dass Gender sozial ist, ein Produkt der männlichen Vorherrschaft. GenderistInnen denken, dass Gender eine Identität ist, ein innerer Satz von Gefühlen, die Personen haben können. Radikale FeministInnen denken, dass Gender ein Kastensystem ist, ein Satz von materiellen Gegebenheiten, in die eine Person hineingeboren wird. GenderistInnen denken, Gender ist binär. Radikale FeministInnen denken, dass Gender eine Hierarchie ist, in der Männer oben stehen. Manche GenderistInnen behaupten, Gender sei "fluid." Radikale Feministinnen weisen darauf hin, dass nichts Fluides daran ist, wenn der Ehemann deine Niere verkauft. Wie sichtbar wird, haben wir große Meinungsverschiedenheiten.

Radikale FeministInnen sind außerdem überzeugt, dass Frauen das Recht haben, ihre eigenen Grenzen zu definieren und zu entscheiden, wer in ihre Freiräume hineindarf. Wir glauben, dass alle unterdrückten Gruppen dieses Recht haben. Wir sind transphob genannt worden, weil die Frauen von DGR nicht wollen, dass Männer - Personen, die männlich geboren und zu Maskulinität erzogen wurden - in Frauen vorbehaltene Freiräume vordringen. DGR unterstützt Frauen in dieser Entscheidung.

Was meinen radikale FeministInnen, wenn sie den Begriff "Gender" benutzen?

1. “The End of Gender”-Vortrag von der DGR-Konferenz 2013

2. Talking About Gender

3. Who Owns Gender?
(d.Ü.: eine kurze deutschsprachige Beschreibung findet sich unter Frage 2. Gender ist, kurz gesagt, das sozial definierte Geschlecht oder die Geschlechterrolle, die hier vom biologischen Geschlecht abgegrenzt wird)

Ist der radikale Feminismus essentialistisch?

Nein, definitiv nicht. Essentialismus ist der Gedanke, dass Gender biologisch, nicht sozial, begründet ist. Nach dieser Ansicht sind Jungen von Natur aus aggressiv und abenteuerlustig, während Mädchen fürsorglich und emotional sind. Geschlechtsbezogenes Verhalten wird auf die Gehirnstruktur, die Hormone oder beides zurückgeführt.

FeministInnen haben Essentialismus von Anfang an bekämpft. Biologischer Essentialismus ist benutzt worden, um alles vom Ausschluss von Frauen aus dem Bildungssystem bis hin zu männlicher sexueller Gewalt zu entschuldigen. Die Mächtigen müssen ihre eigene Vorherrschaft und die Unterwerfung der Unterworfenen naturgegeben erscheinen lassen: wenn die Gesellschaft von der Natur oder Gott oder dem Kosmos auf eine bestimmte Weise angeordnet ist, macht es keinen Sinn, dagegen zu kämpfen. Die Ideologie des Essentialismus kann sehr effektiv darin sein, Widerstand zu verhindern.

Nimm z.B. Rasse. Rasse ist keine biologisch begründete Unterscheidung. Politisch, sozial und ökonomisch gesehen ist Rasse natürlich überall auf dem Planeten eine brutale Realität. Das Konzept "Rasse" ist allerdings eine Schöpfung der Mächtigen. Wenn wir eine gerechte Welt wollen, müssen die materiellen Institutionen, die Farbige unterdrücken, zerstört werden. Und die Konzepte "Weißsein" und "Schwarzsein" werden selbst zurückgelassen werden, da sie außerhalb der Realitäten der weißen Vorherrschaft keinen Sinn machen.

Viele Leute sind verwirrt, wenn man sagt, sie sollen die gleiche radikale Analyse auf den Gender-Begriff anwenden. Aber aus einer feministischen Perspektive sind die Parallelen offensichtlich. Gibt es Unterschiede in der menschlichen Spezies, was Hautfarbe angeht? Ja. Warum haben diese Unterschiede soziale Bedeutung? Weil ein korruptes und brutales Machtverhältnis eine Ideologie namens Rassismus braucht. Gibt es Unterschiede in der Form von menschlichen Genitalien? Ja. Warum haben diese Unterschiede soziale Bedeutung? Weil ein korruptes und brutales Machtverhältnis - das Patriarchat - eine Ideologie namens Gender braucht.

Das Patriarchat ist ein politisches System, das biologisch männliche und weibliche Menschen in die sozialen Kategorien, die Männer und Frauen genannt werden, einordnet, damit die Klasse der Männer Leute, die Frauen genannt werden, beherrschen kann. Gender ist für Frauen, was Rasse für Farbige ist: das ideologische Konstrukt, das unserer Unterwerfung zugrunde liegt.

Daher sind wir entschieden gegen den Gedanken, dass Gender biologisch ist. Tatsächlich sind es die GenderistInnen, die essentialistische Behauptungen über Gender aufstellen. Ihren Ansichten nach zeigen Männer und Frauen jeweils Dominanz und Unterwerfung nicht aufgrund der sozialen Verhältnisse, sondern weil wir unterschiedliche Gehirne haben. Gegendertes Verhalten ist natürlich, behaupten sie, eine Funktion unserer Biologie. Oft wird behauptet, dass pränatale Hormone diese Neigungen festlegen und dass die "falschen" Hormone ein "falsches" Gehirn produzieren. Daher ist es möglich, einen männlichen Körper mit einem weiblichen Gehirn zu haben.

Wir finden es sehr seltsam, dass wir des Essentialismus angeklagt werden, wo wir doch das genaue Gegenteil für wahr halten. Gender ist von Grund auf sozial konstruiert und seine Wurzeln sind mit dem Blut von Frauen getränkt. Wir zielen darauf ab, Gender zu zerstören. Wenn Gender ein Produkt unserer Biologie wäre, wäre das nicht möglich. Wir weisen den Gedanken, dass es ein weibliches Gehirn gibt, ebenso entschieden zurück wie den Gedanken, dass es ein "Negergehirn" gibt[2]. Und wir werden niemals akzeptieren, dass Femininität für Frauen natürlich ist. Femininität ist die ritualisierte Zurschaustellung von Unterwerfung, die durch Traumata erschaffen und von allen unterdrückten Gruppen in einer gesellschaftlichen Hierarchie verlangt wird. Wir weigern uns, uns zu unterwerfen und ermutigen Frauen, sich zu widersetzen.

Weiterführende Literatur:

Delusions of Gender: How Our Minds, Society, and Neurosexism Create Difference by Cordelia Fine

Brainstorm: The Flaws in the Science of Sex Differences by Rebecca Jordan-Young.

The Emperor's New Penis by Lierre Keith and Derrick Jensen

Stärkt ihr nicht Gender als Kategorie, wenn ihr Freiräume schafft, die nur für Frauen sind?

Nein, wir erkennen an, welche furchtbaren Effekte Gender hat, wenn wir Freiräume für Frauen schaffen. Wir bekämpfen Gender mit seiner Forderung nach weiblicher Unterwerfung und seiner Behauptung, dass Frauen existieren, um sich um Männer zu kümmern.

Gender ist sozial und politisch real und tödlich. Es ist die Struktur von weiblicher Unterdrückung. Auf einer individuellen Ebene "genderblind" zu sein, schafft Gender nicht ab: nur radikale Aktion auf einer breiten politischen Ebene kann dies schaffen. Gender ist nicht irgendein soziales Konstrukt, sondern ein soziales Konstrukt, das speziell dazu erschaffen wurde, eine Klasse (Männer) auf Kosten einer anderen Klasse (Frauen) zu privilegieren.

Sich zu verhalten, als würde Gender nicht existieren, schwächt Gender nicht, im Gegenteil hilft solches Verhalten, ein System unterdrückerischer Macht unsichtbar werden zu lassen. Niemand würde behaupten, dass die Arbeiterklasse den Kapitalismus bekämpfen kann, indem sie ihr Klassenbewusstsein aufgibt. Farbige haben seit langem betont, dass "Farbenblindheit" nur der weißen Vorherrschaft dient, indem sie die Existenz von unterdrückerischen Rassenverhältnissen vertuscht. Indem sie sich ihre Lage als Gruppe verdeutlichen, können Frauen und Männer sich ihrer eigenen relativen Unterdrückung oder ihrer privilegierten Situation bewusst werden. Dies ist notwendig, wenn Systeme unterdrückerischer Macht bekämpft werden sollen.

Die Schaffung von Freiräumen für Frauen stellt sicher, dass Frauen in unserer Organisation einen Ort haben, an dem sie ohne den negativen Einfluss von Männern arbeiten, sich organisieren und Bindungen aufbauen können. Alle unterdrückten Gruppen brauchen ihre eigenen Räume, um Momente der Freiheit zu erleben, eine Gemeinschaft aufzubauen und unterwürfiges und selbsthassendes Verhalten zu überwinden. Alle unterdrückten Gruppen haben das Recht, Grenzen aufzuzeigen, auch Frauen. DGR verschreibt sich der Verteidigung des Rechts von Frauen, ihre eigenen Freiräume zu schaffen.

Wie überschneidet sich radikaler Feminismus mit Kämpfen, die Rasse und Klasse betreffen?

Alice Walker, Audre Lorde und Barbara Smith waren, zusammen mit anderen, maßgebend für die zweite Welle der radikalen feministischen Theorie. Viele farbige und arme Frauen (bzw. Arbeiterinnen) haben sichergestellt, dass die Themen Rasse und Klasse auf eine Weise behandelt werden würden, auf die dies unter Linken bis dahin nicht geschehen war. Dies war essentiell, da einige FeministInnen der zweiten Welle und einige Gruppen, die zu radikaler feministischer Theorie beitrugen, sich ihrer rassen- und klassenbasierten Privilegien nicht bewusst waren, was farbige Frauen und Arbeiterinnen in der Bewegung störte und abschreckte. Die oben genannten Frauen stellten sicher, dass die Existenz dieser sich überschneidenden Unterdrückungssysteme erkannt und betont werden würde.

Die sadistischen Systeme des Rassismus und Klassismus überschneiden sich mit dem Patriarchat. Alle Frauen werden dafür unterdrückt, dass sie weiblich sind, aber diese Unterdrückung nimmt unterschiedliche Formen und Intensitäten an, je nach ökonomischem Status und "Rasse" der Frau. Der der gesamten Geschlechtskaste der Frauen gemeine Status negiert nicht die Tatsache, dass Frauen von unterschiedlichem ökonomischem Status und unterschiedlicher Rasse unterschiedliche Erfahrungen machen. Weiße Frauen der Ober- und Mittelklasse und auf andere Weise privilegierte Frauen haben die Verantwortung, sich als Verbündete für farbige Frauen zu erweisen. Nur nachdem dieses Vertrauen und diese Solidarität aufgebaut worden ist, werden Frauen fähig sein, sich kollektiv zu organisieren, um die männliche Macht zu stürzen.

Wenn der radikale Feminismus behauptet, dass männliche Transpersonen immer noch männliches Privileg innehaben, wie erklärt er dann die Gewalt, der sie ausgesetzt sind?

Alle biologisch männlichen Menschen profitieren vom Patriarchat. Keine interne Identität und kein emotionaler Status kann die materielle Realität dieser Vorteile beseitigen. Nur eine Veränderung der materiellen Umständen - das Beenden des Patriarchats - kann diese Vorteile abschaffen.

Allerdings gehen Personen, die sich nicht an Gender-Stereotypen halten, Risiken ein. Sie werden gehasst, weil sie der Beweis sind, dass Gender nicht natürlich ist. Alle Machtsysteme müssen ihre Hierarchien aus offensichtlichen Gründen natürlich erscheinen lassen. Es ist viel schwerer, eine soziale Ordnung zu bekämpfen, die von Gott, der Natur oder der Evolution erschaffen wurde. Das System der männlichen Vorherrschaft muss es so erscheinen lassen, als wären Maskulinität und Femininität auf biologischer oder sogar kosmischer Ebene real. Frauen, die sich der Femininität verweigern und Männer, die sich der Maskulinität verweigern, sind lebendige Beweise dafür, dass das Patriarchat nicht unausweichlich ist. Sie können sogar den Rest von uns dazu inspirieren, einen wilden Streik in der Genderfabrik anzuzetteln. Solche Leute werden daher mit Spott, Zurechtweisungen und sogar Gewalt bestraft.

Aber alle Frauen sind Spott, Zurechtweisungen und Gewalt durch Männer ausgesetzt. Frauen, die sich an die Regeln der Femininität halten, werden bestraft und Frauen, die dies nicht tun, werden ebenfalls bestraft. Globale Statistiken über männliche Gewalt zeigen genau, auf wie grausame Art Männer Frauen dafür bestrafen, dass sie weiblich sind. Jeder Pfad - Widerstand oder Konformität - kann zu Vergewaltigung, Folter und Mord führen. Andrea Dworkin nannte dies "die Barrikade des sexuellen Terrorismus."[3] Alle Frauen leben darin, ob wir uns widersetzen oder unser Bestes tun, uns zu fügen. Nichts, was wie individuell tun, wird uns befreien. Es gibt keinen Weg hinaus, außer die Barrikade Stein um Stein zu zerstören.

Gender existiert, weil die Leute, die in der Hierarchie oben sind - Männer - wissen müssen, wer als Mensch zählt und wer ein Objekt ist, ein Ding, das benutzt werden soll. Diese Unterscheidung muss sehr deutlich sein, sowohl ideologisch als auch visuell. Das ist der Grund, warum Jüdinnen und Juden gelbe Sterne tragen mussten - sie mussten visuell als Untermenschen ausgewiesen werden. Das ist auch der Grund, warum die Kleidung für Männer und Frauen so unterschiedlich ist. Bis vor einer kurzen Weile war es in westlichen Gesellschaften illegal für Frauen, Männerkleidung zu tragen.[4] Die visuelle Unterscheidung ist von hoher Bedeutung für die ideologische Unterscheidung zwischen Mensch und Nicht-Mensch, Subjekt und Objekt, Person und Ding. Frauenkleidung präsentiert uns als sexuell verfügbar und schränkt unsere Bewegungen ein: wir existieren, um benutzt zu werden und falls wir auf eigene Ideen kommen, können wir nicht entkommen.

Im Zentrum all dieser Dinge steht die Vergewaltigung. Wie Catharine MacKinnon es so treffend ausdrückte: "Mann fickt Frau; Subjekt Verb Objekt."[5] Männer müssen wissen, wer in der Fickobjekt-Kategorie ist. Sie müssen wissen, dass diese Kategorie absolut ist, weil sie wissen müssen, dass sie nie in sie fallen werden. Sie wissen nur zu gut, welchen Sadismus sie in ihre Sexualität hineinfließen lassen. Das ist der Deal, den sie miteinander abschließen: tu es nicht mir an, tu es stattdessen ihr an.

Menschen, die sich nicht an das Gender-Diktat halten, sind Sand im Getriebe. Wenn Männer nicht bestimmen können, wer ein Mann ist und wer eine Frau, woher sollen sie dann wissen, wer ein Mensch ist und wen sie benutzen, ficken können. Das ist der Grund, warum Homophobie aus Frauenfeindlichkeit entsteht. Die Unterscheidung zwischen Mensch-Subjekt und Fickobjekt muss absolut sein, um Männer - echte Männer - voreinander zu schützen, körperlich und ideologisch.

Das ist der Grund, warum Personen, die sich nicht an die visuellen Ansprüche von Gender halten, so grausam von Männern bestraft werden. Männer, die die Maskulinität hochhalten, haben furchtbare Angst vor einer möglichen Verwechslung. Sie können nicht ertragen, als das kleinste bisschen "schwul" gesehen zu werden und der Gedanke, dass manche Männer in die Fickobjekt-Kategorie fallen könnten, versetzt sie in Panik. Diese Angst basiert auf einer realistischen Einschätzung des sexuellen Sadismus von Männern und der endlosen Strafen, denen diese Fickobjekte ausgesetzt sind. Daher müssen Männer, die sich nicht anpassen, bestraft werden, bis sie es tun, um alle Männer zu schützen.

Die einzige Möglichkeit, dies zu beenden, ist, die männliche Vorherrschaft zu zerstören. Niemand gehört in die Fickobjekt-Kategorie: weder Frauen, noch schwule Männern, noch Leute, die sich aus welchem Grund auch immer nicht anpassen. Die Sozialisierung, die Gender erschafft - die Gewalt und gewalttätigen Grenzüberschreitungen, die Männer und Jungen Mädchen und Frauen antun - muss enden und die Herrschaft, die die Existenz von Gender fordert, muss überwunden werden. Wenn das passiert, wird das Patriarchat enden und das Konzept des Gender keine Bedeutung mehr haben.

Was ist mit "Two-Spririts" und anderen indigenen Rolle für dritte oder andere Geschlechter?

Nicht-indigene Leute haben kein Recht, eine Meinung dazu zu haben.

Was ist mit Kindern, die sich mit dem anderen Geschlecht identifizieren oder mit dem sozialen Geschlecht, das ihnen nicht von einem jungen Alter an zugeschrieben wurde?

Diese Kinder verhalten sich einfach so, wie es ihnen selbst entspricht. Wenn das Patriarchat und seine Gender-Zwangsjacke nicht existieren würde, würde sich diese Frage nicht stellen. Es ist unglaublich frustrierend, dass wir immer noch dafür streiten müssen, dass es okay ist, wenn Mädchen wild spielen und wenn Jungs sich verkleiden, als Kinder und den Rest ihres Lebens über, wenn sie wollen.

Gender ist das Problem, nicht die Kinder und definitiv nicht die Körper der Kinder. Im Moment gibt es einen furchteinflößenden Trend, Kinder, die sich nicht anpassen, mit Medikamenten zu behandeln, einschließlich einer "Behandlung" mit gefährlichen und experimentellen Drogen. Es ist äußerst regressiv, Kinder chemisch und chirurgisch zu verändern, um sie an Gender-Karikaturen anzupassen. Und einige der Kinder, an denen diese Experimente durchgeführt wurden, bereuen es bereits (siehe Links unten).

Tatsächlich zeigt die Forschung, dass die Mehrheit der Kinder, die Symptome der "Genderdysphorie" haben und die nicht medizinisch behandelt wurden, zu glücklichen, gesunden Erwachsenen ohne Genderdysphorie werden, von denen die meisten schwul oder lesbisch sind.[6] Was hier passiert, ist eine medizinische Auslöschung von jungen schwulen und lesbischen Menschen. Wir sollten uns große Sorgen um diesen sozialen Trend machen, der die neuste Version der Eugenik darstellt.

Weiterführende Literatur:

1. Ria Cooper: Britain’s youngest sex change patient reverses treatment

2. Detransition: A young transman’s story back to womanhood

3. I’m questioning my gender again

4. Leave the Kids Alone

Ist es nicht ein Akt der Gewalt, jemandem seine selbstgewählte Identität abzuerkennen?

Nein, es ist eine Meinungsverschiedenheit. Das ist es, was es bedeutet, in einer pluralistischen Demokratie zu leben. Wir werden Meinungsverschiedenheiten haben, manchmal Energische, manchmal Schmerzhafte.

Im Laufe eines Lebens ändern sich unsere Identitäten viele Male. Besonder als Radikale hinterfragen wir die Identitäten, in die wir hineinerzogen wurden und lassen viele zurück. Dies ist eine gesunde und notwendige Arbeit.

Der Punkt ist, dass Identität nicht heilig ist. Identitäten können für uns selbst und für andere unterdrückerisch sein. Ein Beispiel wäre die rassenzentrierte Identität von weißen Menschen als Weiße. Die Identifikation mit der Kategorie "weiß" zu brechen, nimmt Weißen nicht ihr Privileg - sie sind immer noch weiß in einer rassistischen Welt - aber es ist ein wichtiger Trittstein im Kampf gegen den Rassismus. Wir denken also nicht, dass etwas grundsätzlich falsch daran ist, Identitäten zu hinterfragen.

Die Behauptung, dass die Legitimität von Gender in Frage zu stellen das Gleiche ist wie die Existenz einer Person abzustreiten, impliziert, dass Menschen ohne Gender nicht existieren können. Wir akzeptieren das nicht. Wir akzeptieren nicht, dass Gender, oder irgendeine andere Unterdrückung, unausweichlich oder natürlich ist. Wir können besser leben als im Kastensystem namens Gender.

Was ist mit dem emotionalen Wohlergehen von Männern, die sich nicht maskulin genug geben können (oder es einfach nicht tun), dass die Gesellschaft sie in Ruhe lässt?

Zunächst einmal ist es nicht "die Gesellschaft", die sie nicht in Ruhe lässt. Es sind Männer. Es sind Männer, die Gewaltverbrechen begehen, um andere Männer zu Maskulinität zu zwingen.

Zweitens wird niemand in Ruhe gelassen, der männliche Macht oder irgendeine andere Macht herausfordert. Die Mächtigen werden jedes Zeichen von Widerstand gegen ihre Ordnung versuchen zu unterdrücken. Wir müssen uns alle damit abfinden, so gut wir können. Manche von uns machen ihr Privatleben so sicher wie möglich und hoffen auf das Beste. Andere machen ihr Leben zu einem Kampfschrei und nehmen sich vor, die Macht bis ans Ende zu bekämpfen. Aber das ist die Entscheidung jeder und jedes Einzelnen.

Drittens ermutigen wir alle Männer, im Maskulinsein zu versagen! Das ist die einzige Hoffnung, die der Planet hat. Was ihr emotionales Wohlergehen angeht, dies wird viel besser sein, wenn sie sich weigern, das Spiel "Sei ein Echter Mann" zu spielen.

Aber wenn die Implikation ist, dass es die Aufgabe von Frauen ist, sich um Männer zu kümmern, dann weisen wir das zurück. Männer müssen sich um sich selbst und umeinander kümmern. Wir möchten betonen, dass die Frage des emotionalen Wohlergehens von Männern für viel zu viele Leute zentral ist. Niemand hat uns jemals - nicht ein einziges Mal - nach dem emotionalen Wohlergehen von Frauen gefragt oder impliziert, dass es die Aufgabe von Männern ist, sich um Frauen zu kümmern, obwohl es Männer sind, die die Gewalt ausführen.

In den USA begehen Männer 95% der Gewaltverbrechen und 98% der Sexualverbrechen (85% und 99% in Deutschland laut Kriminalstatistik 2014, d.Ü.). Männer müssen andere Männer konfrontieren. Sie müssen einander davon abhalten, Gewalt auszuüben, sowohl gegen Männer - beispielsweise in ihren endlosen Kriegen - als auch gegen Frauen.



Fußnoten

[1] Dworkin. “Against the Male Flood: Censorship, Pornography, and Equality,” p. 270.

[3] Dworkin, Right-Wing Women, p. 122.

[4]Kleidung wurde auch basierend auf Klassenzugehörigkeit rechtlich geregelt. Diese Gesetze werden als "Aufwandsgesetze" bezeichnet. Eine kurze Geschichte findet sich hier.

https://en.wikipedia.org/wiki/Sumptuary_law

[5] Mackinnon, p. 124.

[6] Zucker.

Literaturverzeichnis

Dworkin, Andrea. “Against the Male Flood: Censorship, Pornography, and Equality,” in Letters from a War Zone, (New York, E.P. Dutton), 1988.

Dworkin, Andrea. Right-Wing Women. New York: Perigee Books, 1978.

MacKinnon, Catharine A. Towards a Feminist Theory of the State. Cambridge, MA: Harvard University Press, 1989.

Zucker, KJ. Gender identity development and issues. Child Adolescent Psychiatric Clinics North America 2004, 13: 551-568.

Weitere Literatur

http://www.troubleandstrife.org/new-articles/brain-wars/

Fine, Cordelia. Delusions of Gender: How Our Minds, Society, and Neurosexism Create Difference. New York: W. W. Norton & Co., 2010.

Jeffreys, Sheila. Beauty and Misogyny: Harmful Cultural Practices in the West. London: Routledge, 2003.

Jeffreys, Sheila. Unpacking Queer Politics. Camrbridge, UK: Polity Press, 2003.

Jordan-Young, Rebecca M. Brainstorm: The Flaws in the Science of Sex Differences. Cambridge, MA: Harvard University Press, 2010

Smedley, Audrey. Race in North America. Boulder, CO: Westview Press, 2007.

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