Häufig gestellte Fragen (FAQs) von Deep Green Resistance

Wer spricht im Namen von Tiefgrüner Widerstand (DGR)?

Deep Green Resistance ist nicht monolithisch. Jene, die mit DGR verbunden sind, haben vielleicht Meinungen, die von denen anderer Mitglieder abweichen. Daher sollte alles, was DGR-Mitglieder sagen, nicht als offizieller DGR-Standpunkt gesehen werden, außer wenn das Mitglied explizit für die Organisation als Ganze spricht. DGR respektiert Meinungsvielfalt, so die Meinungen respektvoll ausgedrückt werden.

Ist DGR eine feministische Organisation?

Ja, bedingungslos. (Siehe auch: FAQs zum radikalen Feminismus)

In den Worten von Andrea Dworkin, "Feminismus ist die politische Praxis, die männliche Vormachtstellung zum Wohle der sozialen Klasse der Frauen zu bekämpfen."1

Beginnen wir mit dem Ausdruck "Frauen als Klasse." Aus einer radikalen Perspektive ist die Gesellschaft aus Gruppen von Personen zusammengesetzt; manche Gruppen haben Macht über andere Gruppen. Die Mächtigen nutzen Ideologie, um ihre Dominanz und die Unterordnung der unterdrückten Gruppe natürlich erscheinen zu lassen: wenn die Gesellschaft von der Natur oder Gott oder dem Kosmos so angeordnet ist, dann ist es sinnlos, dagegen zu kämpfen. Ideologie kann sehr effektiv darin sein, Widerstand zu verhindern.

Das Modell des Rassismus, das in den USA verbreitet ist, wurde ursprünglich von den EngländerInnen geschaffen, als sie versuchten, Irland zu kolonialisieren. Davor wurden Unterschiede zwischen Völkern als kulturell gesehen. Aber im 17. Jahrhundert hatte sich in England eine Ideologie gefestigt, die biologische Behauptungen über die angebliche Unterlegenheit der IrInnen aufstellte. Die IrInnen waren nicht kulturell unterlegen - sie waren von Natur aus "barbarisch." Das englische Bild von den IrInnen baute auf der dem Konzept auf, dass diese eine getrennte "Rasse" von den EngländerInnen waren, eine Rasse, die gottlos, unmoralisch, faul, "böse, barbarisch und grob" war. Dem zugrunde lag "der Glaube, dass viele IrInnen unfähig waren, zivilisiert zu sein, dass die "wilden" IrInnen, jene, die sich am stärksten der englischen Hegemonie widersetzten, immer ungezähmt bleiben würden: und dass der einzige Weg, sie irgendwie unter zivilisierte Kontrolle zu bringen, sei, sie zu versklaven."2 Mithilfe dieser Rassenideologie konnten Leute auf der ganzen Welt versklavt oder ausgelöscht werden, ohne dass es ethische oder moralische Vorbehalte auf Seiten der Kolonialmächte geben musste. Das fasst mehr oder weniger die letzten 400 Jahre in einem Satz zusammen.

Der Punkt ist, dass Rasse kein biologischer Fakt ist. Politisch, sozial, ökonomisch ist Rasse natürlich überall auf dem Planeten eine brutale Realität. Aber das Konzept "Rasse" ist eine Kreation der Mächtigen. Wenn wir eine gerechte Welt wollen, müssen die materiellen Institutionen, die Farbige unterdrückt halten, abgeschafft werden. Und die Konzepte des "weiß Seins" und des "schwarz Seins" werden schließlich abgeschafft werden, weil sie außerhalb der Realitäten der weißen Vorherrschaft keinen Sinn machen werden.

Viele Leute sind verwirrt, wenn sie die gleiche radikale Analyse auf das Konzept Gender (soziales Geschlecht, Geschlechterrolle, A.d.Ü.) anwenden sollen. Aber aus einer feministischen Perspektive sind die Parallelen offensichtlich. Gibt es bei der menschlichen Spezies Unterschiede in der Hauptfarbe? Ja. Warum sind diese Unterschiede bedeutsam? Weil eine korrupte und brutale Machtkonstellation eine Ideologie namens Rassismus braucht. Gibt es Unterschiede in der Form von menschlichen Genitalien? Ja. Warum sind diese Unterschiede bedeutsam? Weil eine korrupte und brutale Machtkonstellation - das Patriarchat - eine Ideologie namens Gender braucht.

Das Patriarchat ist ein politisches System, das biologisch männliche und weibliche Menschen nimmt und in soziale Kategorien namens Männer und Frauen verwandelt, sodass die Klasse Männer die Gruppe "Menschen, die Frauen genannt werden" beherrschen kann.3 Gender ist für Frauen was Rasse für Farbige ist: das ideologische Konstrukt, das unserer Unterdrückung zugrunde liegt.

Die Sozialisierung von Männern ist der Prozess, durch den ein Kind in einen Jungen und dann in einen Mann verwandelt wird. Ein Mann zu sein, lässt eine psychologische Einstellung notwendig werden, die auf Anspruchsdenken, emotionaler Taubheit und einer Trennung zwischen dem Selbst und dem Anderen aufbaut. Maskulinität ist essentiell für jede militarisierte Kultur, weil sie die Charaktereigenschaften beinhaltet, die für Soldaten notwendig sind. Man kann nur auf Kommando töten, wenn der menschliche Impuls, anderen gegenüber nicht gleichgültig zu sein, unterdrückt oder ausgelöscht wurde. Der ständige Drang, andere als "das Andere" zu sehen, ist das Resultat: die abgelehnten, "weichen" Teile des Selbst werden nach außen projiziert, damit sie dort zerstört werden können.4 Dies ist ein Projekt, das vermutlich niemals beendet sein wird, so lange Menschen Herzen und Seelen haben - und diese können niemals ganz abgetötet werden, so sehr Männer es auch versuchen. Die amerikanischen Viet Nam-Veteranen, die den schlimmsten posttraumatischen Stress erlebten, waren nicht jene, die Grausamkeiten überlebten, sondern jene, die Grausamkeiten verübten.5

Maskulinität setzt etwas voraus, das PsychologInnen eine negative Referenzgruppe nennen, eine Gruppe von Personen, "die ein Individuum ... als negative Norm benutzt und die Meinungen, Einstellungen und Verhaltensmuster zeigt, die zu vermeiden sind." Jungen in patriarchalischen Kulturen erschaffen mit großer Selbstverständlichkeit derartige Referenzgruppen. Der erste verachtete Andere von Jungen sind, natürlich, die Mädchen. Keine Beleidigung ist schlimmer als eine beliebige Form von "Mädchen", normalerweise irgendein Teil der weiblichen Anatomie, der zu einem hasserfüllten Schimpfwort entstellt wird. Aber sobald der psychologische Prozess verankert ist, kann die Kategorie "weiblich" mit Leichtigkeit von jeglicher Gruppe ausgefüllt werden, die eine hierarchische Gesellschaft gerne unterdrückt oder ausgelöscht haben möchte.
Eine Persönlichkeit mit einem endlosen Drang, sich gegenüber anderen, allen anderen, zu beweisen in Kombination mit dem Anspruchsdenken, das Macht mit sich bringt, führt zu einem Imperativ des gewaltsamen Eindringens. Männer werden zu "echten Männern", indem sie Grenzen gewaltsam übertreten, ob es sich um die sexuellen Grenzen von Frauen handelt, die kulturellen Grenzen anderer Völker, die politischen Grenzen anderer Nationen, die genetischen Grenzen von Spezies, die biologischen Grenzen von lebenden Gemeinschaften oder die physischen Grenzen des Atoms selbst.

Für eine derart von einem Anspruchsdenken geprägte Psyche ist der einzige Grund, warum es das Wort "nein" gibt, dass es sexuell erregend ist, sich trotzdem aufzudrängen. Das ist die wahre Brillanz des Patriarchats: es naturalisiert Unterdrückung nicht nur, es sexualisiert sie. Es erotisiert Beherrschung und Unterwerfung. Durch die Konzepte - und gelebte Realität - von Maskulinität und Femininität institutionalisiert das Patriarchat Beherrschung und Unterwerfung überall in der Kultur und tief in unseren Psychen.

Daher vollbringen Männer brutale und grenzüberschreitende Taten, als wäre es selbstverständlich. Psychologische Profile von Vergewaltigern zeigen, "dass es sich um 'normale' Männer handelt, die Frauen sexuell angreifen um Macht und Kontrolle über sie auszuüben."6 Häusliche Gewalt ist das verbreitetste Gewaltverbrechen in den USA und wird dort alle 15 Sekunden ausgeübt. Das bedeutet, dass ein Mann eine Frau verprügelt. Dies ist einer der Hauptgründe von Verletzungen und Tod für Frauen in den USA.7 Eine kanadische Umfrage ergab, dass vier von fünf Studentinnen Opfer von Gewalt in einer Beziehung geworden war.8 Die World Health Organization schätzt, dass "eine von vier Frauen im Laufe ihres Lebens vergewaltigt, geschlagen, zu Sex gezwungen oder auf andere Weise misshandelt werden wird, manchmal mit Todesfolge."9 Etwas, das so viel passiert, ist offensichtlich normal, ein Teil des alltäglichen Lebens, das Verhalten, zu dem eine globale Kultur der männlichen Dominanz Männer mit Selbstverständlichkeit erzieht.

Im Moment ist das Patriarchat die herrschende Religion auf dem Planeten. Frauen sind nur eine weitere Ressource, die Männer in ihrem endlosen Bemühen benutzen, ihre vergiftete Maskulinität zu beweisen und Soldaten für den ständigen Kriegszustand der Zivilisation hervorzubringen. Diese Maskulinität und dieser Krieg - gegen Menschen, gegen den Planeten - haben zusammen ein Perpetuum Mobile der Herrschaft und der Zerstörung von Land und Menschenrechten hervorgebracht. Das ist der Grund, warum Militarismus ein feministisches Thema ist, warum Vergewaltigung ein Umweltschutzthema ist und warum Naturzerstörung ein friedenspolitisches Thema ist. Wir werden Frauenfeindlichkeit niemals abschaffen solange Beherrschung erotisiert ist. Noch werden wir den Rassismus beenden. Noch werden wir effektiven Widerstand gegen den Faschismus leisten können, da, wie Sheila Jeffereys betont, die Wurzel des Faschismus letztendlich die Erotisierung von Beherrschung und Unterordnung ist - Faschismus ist praktisch ein Maskulinitätskult.10 All diese Dinge sind riesige Ableger vom selben Anfang. Das Ergebnis ist Folter, Vergewaltigung, Völkermord und Biozid.

Und das Herz dieser Hölle ist die autoritäre Persönlichkeit, die auf Maskulinität aufbaut. Lundy Bancroft schreibt über die Mentalität von gewalttätigen Männern: "Die Wurzel [von Misshandlung] ist das Besitzen, der Stamm ist Anspruchsdenken und die Äste sind Kontrolle."11 Man kann keine klarere Beschreibung für die Schreckensherrschaft der Zivilisation oder des Patriarchats finden.

Was ist mit Femininität? Femininität ist eine Gruppe von Verhaltensweisen, die im Kern ritualisierte Unterwerfung darstellt. Weibliche Sozialisierung ist ein Prozess, in dem Mädchen eingeschnürt und gebrochen werden - was auch als "Grooming" bezeichnet wird - um eine Klasse von gehorsamen Opfern zu erzeugen. Im Laufe der Geschichte hat dieses Brechen sogenannte "Schönheitspraktiken" wie weibliche Genitalverstümmlung und Füßebinden sowie verbreiteten Kindesmissbrauch umfasst. Femininität ist eigentlich nur das Verhalten einer traumatisierten Psyche, die ihre Ergebung zeigt.

Es ist in einigen AktivistInnenzirkeln schick geworden, trendige Konzepte aus dem Postmodernismus zu übernehmen. Dies umschließt den Gedanken, dass Gender "binär" ist. Aber Gender ist nicht binär: es ist eine Hierarchie, global in ihrer Ausdehnung, sadistisch in ihrer Anwendung, mörderisch in ihrer Vollendung, genau wie Rasse, genau wie Klasse. Gender ist die Ideologie, die den materiellen Voraussetzungen der Leben von Frauen unterliegt: Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Armut, Prostitution und Frauenmord. Diese Voraussetzungen könnten nicht ohne die sozialen Kategorien "Mann" und "Frau" existieren - und diese gewalttätigen, übergriffigen Praktiken sind wiederum, was Personen, die Frauen genannt werden, erschafft. Gegen diese Voraussetzungen, die in ihrer Gesamtheit als Patriarchat bezeichnet werden, muss Widerstand geleistet werden, sie müssen zerstört werden, bis das Konzept des Gender keine Bedeutung mehr hat.

Noel Ignatiev, Autor von "Wie die Iren weiß wurden", hat dafür argumentiert, die "weiße Rasse", definiert als "weißes Privileg und weiße Rassenidentität", abzuschaffen.12 DGR lädt weiße Menschen ein, dieses äußerst notwendige Projekt zu unternehmen, sowohl auf der persönlichen wie auch auf der politischen Ebene. Ebenso will DGR die Geschlechtsklasse Mann abschaffen, die aus männlichem Privileg und männlicher Geschlechtsidentität besteht. Männer können Verräter an ihrer Klasse werden. Frauen können sich weigern, sich körperlich und geistig den zerschmetternden Zwängen des Gender zu unterwerfen. Wir alle können kämpfen.

Der Planet liegt in Trümmern; die Indigenen verlieren ihre Heimat und verschwinden; Sklaverei ist unsere Art zu leben, dünn verschleiert durch Entfernung und fossile Energie; männliche Vorherrschaft ist voller sexuellem Sadismus, Frauen und Mädchen sind stimmlos, werden verletzt und vergewaltigt. Wir sagen: genug. Freiheit und ein lebendiger Planet werden nur erreichbar sein, wenn Maskulinität - ihre Religion, ihre Ökonomie, ihre Psychologie, ihr Sex - bekämpft und besiegt wird. DGR steht in diesem Krieg auf der Seite der Frauen. Schließ dich uns an!

1Dworkin, "Woman-Hating Right and Left", p. 30.
2Smedly, p. 63.
3Dworkin, Letters, p. 270.
4Griffin.
5Grossman.
6Lenskyj.
7Langford and Thompson, p. 7.
8DeKeseredy and Kelly.
9"UN calls for strong action to eliminate violence against women."
10Jeffreys, p. 65.
11Bancroft, p. 75.
12Ignatiev.

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Literaturverzeichnis

Bancroft, Lundy. Why Does He Do That? Inside the Minds of Angry and Controlling Men. New York: G.P. Putnam’s Sons, 2002.

DeKeseredy, W. and K. Kelly. "The Incidence and Prevalence of Woman Abuse in Canadian University and College Dating Relationships: Results From a National Survey." Ottawa: Health Canada, 1993.

Dworkin, Andrea. Letters from a War Zone. New York: E.P. Dutton, 1988.

Dworkin, Andrea."Woman-Hating Right and Left," in Dorchen Leidholdt and Janice G. Raymond, eds. The Sexual Liberals and the Attack on Feminism. New York: Pergamon Press, 1990.

Griffin, Susan. Pornography and Silence: Culture’s Revenge Against Nature. New York: Harper & Row, Publishers, 1981.

Grossman, Lt. Col. Dave. On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society. New York: Little, Brown and Company, 1995.

Ignatiev, Noel. How the Irish Became White. New York: Routledge, 1996.

Langford, Rae and June D. Thompson. Mosby’s Handbook of Diseases, 3rd Edition. St. Louis, MO: Elsevier Health Sciences, 2005.

Lenskyj, Helen. "An Analysis of Violence Against Women: A Manual for Educators and Administrators." Toronto: Ontario Institute for Studies in Education, 1992.

Jeffreys, Sheila. "Sado-Masochism: The Erotic Cult of Fascism." Lesbian Ethics 2, No. 1, Spring 1986.

Smedley, Audrey. Race in North America: Origin and Evolution of a Worldview. Boulder, CO: Westview Press, 2007.

"UN calls for strong action to eliminate violence against women." UN News Centre. http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=16674&Cr=&Cr1=.

EMPFOHLENES LESEMATERIAL

Andrea Dworkin. Life and Death. New York: The Free Press, 1997.

Cordelia Fine. Delusions of Gender. New York: W.W. Norton, 2010.

Sheila Jeffreys. Beauty and Misogyny. New York: Routledge, 2005.

Robert Jensen. Getting Off: Pornography and the End of Masculinity. Boston: South End Press, 2007.

Rebecca M. Jordan-Young. Brainstorm: The Flaws in the Science of Sex Differences. Cambridge, MA: Harvard University Press, 2010.

Wie definiert ihr "Zivilisation"?

Deep Green Resistance benutzt Derrick Jensens Definition von Zivilisation, die er in Endgame Vol. 1, S. 17 folgendermaßen dargelegt hat:

Eine Zivilisation ist eine Kultur - das bedeutet ein Komplex von Geschichten, Institutionen und Artefakten - die sowohl zu dem Anwachsen von Städten führt als auch ein Ergebnis davon ist (Zivilisation, siehe zivil: von civis, BürgerIn, vom lateinischen civitatis, Republik). Städte sind definiert - um sie von Camps, Dörfer, usw. zu unterscheiden - als Orte, an denen Menschen mehr oder weniger permanent und in hinreichend hohen Konzentrationen leben, um die routinemäßige Einfuhr von Nahrung und anderen lebensnotwendigen Gütern notwendig werden zu lassen.

Siehe auch Aric McBays Beschreibung von Zivilisation

Was ist so falsch an der Zivilisation? Warum würde irgendwer wollen, dass sie endet?

Derrick Jensens zweibändiges Endgame erkundet diese Frage vollständig. Er hat 20 Prämissen aufgestellt, die seine Analyse auf den Punkt bringen:

Prämisse eins: Zivilisation ist nicht nachhaltig und kann es niemals sein. Dies gilt insbesondere für die industrielle Zivilisation.

Prämisse zwei: Es kommt selten vor, dass traditionelle Gemeinwesen die Ressourcen, auf denen ihre Gemeinschaften beruhen, freiwillig aufgeben oder verkaufen. Sie lassen auch nicht aus freien Stücken zu, dass ihrer Landbasis Schaden zugefügt wird, um andere Ressourcen wie Gold, Öl und so weiter aus ihr herauszuholen. Daraus folgt, dass diejenigen, die sich der Ressourcen bemächtigen wollen, alles unternehmen werden, was in ihrer Macht steht, um diese traditionellen Gemeinwesen zu zerstören.

Prämisse drei: Unsere Lebensweise – die industrielle Zivilisation – erfordert für ihren Erhalt permanente und allumfassende Gewalt. Ohne Gewalt würde sie sehr schnell zusammenbrechen.

Prämisse vier: Die Zivilisation beruht auf einer klar definierten und weithin akzeptierten, häufig jedoch nicht zum Ausdruck gebrachten Hierarchie. Die in dieser Hierarchie von oben nach unten ausgeübte Gewalt bleibt fast immer unsichtbar und daher unbemerkt. Wird sie indes bemerkt, dann wird sie in vollem Umfang rationalisiert. Gewalt, die in dieser Hierarchie von unten nach oben ausgeübt wird, gilt als undenkbar. Wenn dies trotzdem vorkommt, betrachtet man es mit Bestürzung und Entsetzen und verherrlicht die Opfer.

Prämisse fünf: Das Eigentum derjenigen, die in der Hierarchie oben stehen, ist wertvoller das das Leben derer, die unter ihnen stehen. Es wird gebilligt, dass die Herrschenden ihr Privateigentum vermehren – im Klartext: Geld machen -, indem sie das Leben der Beherrschten ruinieren oder sie sogar töten. Das nennt man Produktion. Wenn aber die Beherrschten dem Eigentum der Herrschenden Schaden zufügen, dann dürfen die Herrschenden die Beherrschten töten oder ihnen auf andere Weise das Leben ruinieren. Das nennt man dann Gerechtigkeit.

Prämisse sechs: Die Zivilisation ist nicht reformierbar. Diese Kultur wird sich nicht freiwillig zu einer vernünftigen und nachhaltigen Lebensweise bekehren. Wenn wir ihr kein Ende setzen, wird die Zivilisation weiterhin die große Mehrheit der Menschen in die Verelendung treiben und die Erde ausplündern, bis sie (die Zivilisation und wahrscheinlich auch die Erde) zusammenbricht. Unter den Auswirkungen dieses Raubbaus werden Menschen und nichtmenschliche Lebewesen sehr lange Zeit zu leiden haben.

Prämisse sieben: Je länger es dauert, bis die Zivilisation zusammenbricht – bzw. je länger es dauert, bis wir sie selbst zu Fall bringen -, desto chaotischer wird der Zusammenbruch verlaufen und desto schlimmer wird es allen ergehen, die ihn erleben und die danach kommen.

Prämisse acht: Die Bedürfnisse der Natur sind wichtiger als die Bedürfnisse des Wirtschaftssystems.

Anders formuliert: Jedes wirtschaftliche oder gesellschaftliche System, von dem die natürlichen Gemeinschaften, auf denen es basiert, nicht profitieren, ist nicht nachhaltig und daher unmoralisch und dumm. Nachhaltigkeit, Moral und Intelligenz (und ebenso die Gerechtigkeit) verlangen die Demontage jedes derartigen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Systems, allermindestens jedoch müssen wir verhindern, dass es unsere Landbasis schädigt.

Prämisse neun: Ganz bestimmt wird es eines Tages weitaus weniger Menschen als heute geben, doch gibt es viele Möglichkeiten, wie dieser Bevölkerungsrückgang zustande kommen kann (oder wie er herbeigeführt werden kann, je nachdem, wie aktiv oder passiv wir diesen Wandel angehen wollen). Einige dieser Möglichkeiten werden extrem gewaltsam und entbehrungsreich sein: Eine atomare Katastrophe zum Beispiel würde auf schreckliche Weise sowohl die Bevölkerung als auch den Konsum reduzieren. Dasselbe gilt für den Fall, dass wir weiterhin die Ressourcen so ausbeuten wie heute und dass dies eines Tages zum Zusammenbruch führt. Andere Möglichkeiten könnten weniger gewaltsam verlaufen. Doch angesichts des derzeitigen Ausmaßes an Gewalt, die diese Kultur auf Mensch und Natur ausübt, ist eine Reduzierung der Bevölkerung und des Konsums ohne Gewalt und Entbehrung nicht vorstellbar, und zwar nicht, weil diese Reduzierung selbst zwangsläufig gewaltsam vonstatten gehen muss, sondern weil Gewalt und Entbehrung zum Normalzustand unserer Kultur geworden sind. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, Bevölkerung und Konsum zu reduzieren. Sie wären zwar immer noch gewaltsam, bestünden aber gerade darin, das derzeitige Ausmaß der Gewalt – deren Ursache und Notwendigkeit in der (oft erzwungenen) Umverteilung der Ressourcen von Arm zu Reich liegt – und damit natürlich auch die derzeitige Gewalt gegen die Natur zu verringern. Einzeln und kollektiv können wir es vielleicht schaffen, Ausmaß und Charakter der Gewalt, die im Verlauf dieses möglicherweise langfristigen Übergangs auftreten wird, zu verringern bzw. zu entschärfen. Vielleicht aber auch nicht. Doch so viel ist sicher: Wenn wir die Sache nicht aktiv angehen – wenn wir nicht über unsere prekäre Situation sprechen und uns nicht fragen, was wir dagegen tun können – dann werden Gewalt und Entbehrungen mit ziemlicher Sicherheit weit schlimmer sein.

Prämisse zehn: Die Kultur als Ganzes und die meisten ihrer Vertreter sind geisteskrank. Die Kultur ist von einem Todestrieb besessen, einem Zwang zur Zerstörung des Lebens.

Prämisse elf: Diese Kultur – die Zivilisation – ist schon immer eine Besatzungskultur gewesen.

Prämisse zwölf: Es gibt keine reichen und keine armen Menschen auf der Welt. Es gibt nur Menschen. Die Reichen haben vielleicht einen Haufen buntes Papier und viele tun so, als wäre das etwas wert – manchmal ist ihr angeblicher Reichtum sogar noch abstrakter: Zahlen auf Festplatten von Banken -, während die Armen das vielleicht nicht haben. Diese “Reichen” behaupten, Land zu besitzen, und den “Armen” wird oft das Recht verweigert, dasselbe zu behaupten. Eine Hauptaufgabe der Polizei besteht darin, die Wahnvorstellungen derer durchzusetzen, die einen Haufen bunter Papierschnipsel haben. Diejenigen ohne bunte Papierschnipsel schlucken diese Wahnvorstellungen im Allgemeinen fast genauso schnell und vollständig wie diejenigen mit bunten Papierschnipseln. In der Realität zeitigen diese Wahnvorstellungen extreme Folgen.

Prämisse dreizehn: Die Herrschenden regieren durch Zwang, und je eher wir uns von der Illusion freimachen, dies sei nicht der Fall, desto eher können wir zumindest anfangen, vernünftige Entscheidungen zu treffen, ob, wann und wie wir Widerstand leisten.

Prämisse vierzehn: Von Geburt an – wahrscheinlich schon von der Zeugung an, aber ich weiß nicht genau, woran ich das festmachen soll – werden wir einzeln und kollektiv sozialisiert, das Leben zu hassen, die Natur zu hassen, das Ungezähmte zu hassen, wilde Tiere zu hassen, Frauen zu hassen, Kinder zu hassen, unseren Körper zu hassen, unsere Gefühle zu hassen und zu fürchten, uns selbst zu hassen. Würden wir die Welt nicht hassen, könnten wir unmöglich zulassen, dass sie vor unseren Augen zerstört wird. Würden wir uns selbst nicht hassen, könnten wir unmöglich zulassen, dass unsere Häuser – und unsere Körper – vergiftet werden.

Prämisse fünfzehn: Liebe impliziert nicht notwendigerweise auch Pazifismus.

Prämisse sechzehn: Die materielle Welt ist die Hauptsache. Das bedeutet weder, dass der Geist nicht existiert, noch dass es außer der materiellen Welt nichts anderes gibt. Es bedeutet, dass Geist und Körper miteinander verbunden sind, es bedeutet, dass reales Tun reale Folgen hat. Es bedeutet, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass Jesus, der Nikolaus, die Große Mutter oder gar der Osterhase uns aus diesem Schlamassel herausholen. Es bedeutet, das dieser Schlamassel wirklich ein Schlamassel ist und nicht nur ein Stirnrunzeln Gottes. Es bedeutet, dass wir selbst uns diesem Schlamassel stellen müssen. Es bedeutet, dass es um die Erde geht, solange wir hier auf Erden sind – egal ob wir nach unserem Tod irgendwo anders landen oder nicht, und egal ob wir dazu verdammt oder dazu auserkoren sind, hier zu leben. Sie ist die Hauptsache. Sie ist unser Zuhause. Die materielle Welt ist alles. Es ist dumm zu glauben oder zu handeln oder so zu leben, als wäre diese Welt nicht wirklich und nicht die Hauptsache. Es ist dumm und erbärmlich, so zu tun, als fände dieses Leben nicht in der Wirklichkeit statt.

Prämisse siebzehn: Es ist ein Fehler (oder, wahrscheinlicher, ein Nichtwahrhabenwollen der Tatsachen), unsere Entscheidungen davon abhängig zu machen, ob die daraus erwachsenden Handlungen die Masse der Amerikaner oder die Menschen, die sich aus allem heraushalten wollen, in Angst versetzen oder nicht.

Prämisse achtzehn: Unser derzeitiges Selbstverständnis ist ebenso wenig nachhaltig wie unsere derzeitige Nutzung von Energie oder Technologie.

Prämisse neunzehn: Das Problem der Kultur liegt vor allem darin, dass wir glauben, es sei gerechtfertigt, die Natur zu beherrschen und zu misshandeln.

Prämisse zwanzig: Nicht das Wohlergehen der Gemeinschaft, nicht moralische Grundsätze, nicht Ethik, nicht Gerechtigkeit, nicht das Leben selbst sind in dieser Kultur der Motor sozialer Entscheidungen, sondern wirtschaftliche Erwägungen.

Modifikation der Prämisse zwanzig: Soziale Entscheidungen werden überwiegend (und oft ausschließlich) danach getroffen, ob diese Entscheidungen den monetären Reichtum der Entscheider und ihrer Herren vermehren.

Zweite Modifikation der Prämisse zwanzig: Soziale Entscheidungen werden überwiegend (und oft ausschließlich) danach getroffen, ob diese Entscheidungen die Macht der Entscheider und ihrer Herren vermehren.

Dritte Modifikation der Prämisse zwanzig: Soziale Entscheidungen basieren überwiegend (und oft ausschließlich) auf dem fast völlig unhinterfragten Glauben, die Entscheider und ihre Herren hätten das Recht, ihre Macht und/oder ihren finanziellen Reichtum auf Kosten derer zu vermehren, die unter ihnen stehen.

Vierte Modifikation der Prämisse zwanzig: Dringt man bis ins Herz der Sache vor – wenn es da überhaupt noch ein Herz gibt -, dann stellt man fest, dass soziale Entscheidungen im Wesentlichen danach getroffen werden, wie gut sie sich eignen, die freie Natur zu beherrschen oder zu zerstören.

Warum muss die Zivilisation zerstört werden? Kommen wir nicht einem Umschwung der öffentlichen Meinung näher?

Derrick Jensen: 2004 hat George Bush über 62 Millionen Stimmen in den USA erhalten. Zugegebenermaßen sind die Democrats nur der gute Bulle in einem "Guter Bulle, böser Bulle"-Szenario, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass 62 Millionen Leute für George Bush gestimmt haben. Jetzt campen Leute über Nacht draußen, um Sarah Palins Autogramm zu kriegen. In dem kleinen Landkreis, in dem ich lebe, gibt es ein paar Themen, die genug Leute aufregen, dass man mit ihnen das Büro des Aufsichtsrats stürmen könnte. Erstens wollen sie weiterhin kleine Mengen Marihuana anbauen. Zweitens wollen sie Geländewagen fahren dürfen, wo es ihnen verdammt nochmal passt.

Es finden keine Aufstände statt, wenn die Regierung sich weigert, eine Gesundheitsversorgung bereitzustellen. Die Leute rebellieren nicht wegen der Vergiftung der gesamten Umwelt oder wenn Menschen, die ihnen nahe stehen, an Krebs sterben. Sie rebellieren nicht, wenn die USA Milliarden von Dollar - Milliarden und Übermilliarden von Dollar - ausgeben, um Menschen überall auf der Welt zu töten. In der Tat ist einer der schlausten Schachzüge, den ein/e PolitikerIn machen kann, das Militärbudget zu erhöhen. Das ist immer beliebt.

Diese Kultur muss komplett zerstört werden. Das ist absolut notwendig. Die Menschheit hat den Großteil ihrer Existenz ohne Industrialismus verbracht. Und der Industrialismus tötet den Planeten. Menschen können nicht ohne den Planeten überleben. Der Planet (und nachhaltige menschliche Existenz) ist wichtiger als der Industrialismus.

Natürlich hätten wir alle lieber einen freiwilligen Wandel, einen Umschwung. Aber wenn dieser Umschwung nicht stattfindet, brauchen wir einen Plan B.

Und nein, die Zivilisation wird sich nicht von selbst in etwas Nachhaltiges verwandeln. Das ist physisch unmöglich. Die Zivilisation ist funktional nicht nachhaltig. Und dass Ideen wie die des "hundertsten Affen" im öffentlichen Diskurs so häufig erwähnt werden, macht uns klar, dass wir sehr weit gehen müssen, um die Änderungen durchzuführen, die notwendig sind. Die Tatsache, dass Leute immer noch über dieses Ausmaß an Entfremdung von der wirklichen physischen Realität reden, ist an sich ein Beweis, dass es keinen freiwilligen Wandel geben wird.

Nein, die Dynamik ist zu stark. Was wir tun müssen, ist, diese Kultur aufzuhalten bevor sie den Planeten tötet. Und ich weiß nicht, wie es bei dir aussieht, aber ich werde mich nicht darauf verlassen, dass ein fiktionaler hundertster Affe die Arbeit für mich erledigt wenn ich es auch selber tun kann.

Ihr könnt Leute nicht zwingen, sich zu ändern. Wird nicht irgendwann ein Paradigmenwechsel stattfinden, der ein nachhaltiges System hervorbringt?

Aric McBay: BefürworterInnen einer Strategie, die hauptsächlich auf Bildung aufbaut, behaupten oft, dass anhaltende Arbeit mit dem Ziel, das öffentliche Bewusstsein zu stärken, irgendwann zu einem globalen "Paradigmenwandel" führen wird, der die Handlungen und Meinungen der Mehrheit dramatisch ändern wird. Der Begriff Paradigmenwechsel kommt aus dem 1962 erschienenen Buch "The Structure of Scientific Revolutions" von Thomas Kuhn, aber auf unsere Situation ist er aus einer Reihe von Gründen nicht anwendbar. Obwohl der Begriff in den 1990ern als Marketing-Modewort beliebt wurde, hat Kuhn ausdrücklich betont, dass die Idee nur auf die Felder, die auch als die exakten Wissenschaften bezeichnet werden (Physik, Biologie, Chemie, usw.), anwendbar ist. Ein Paradigma ist laut ihm ein dominantes Erklärungssystem in einer dieser Wissenschaften, wogegen "ein Student [sic] der Geisteswissenschaften ständig eine Vielzahl von konkurrierenden und miteinander unvergleichbaren Lösungen für diese Probleme vor sich hat, Lösungen, die er letztendlich selbst begutachten muss." WissenschaftlerInnen, die bspw. versuchen, Orbitalmechaniken durch Gleichungen zu beschreiben, können sich darauf einigen, welche Theorie die Beste ist, weil sie versuchen, die korrektesten Voraussagen zu treffen. Die Sozialwissenschaften und andere Felder haben diesen Luxus nicht, weil es keinen Konsens gibt, welche Probleme am wichtigsten sind, wie die Antworten darauf einzuschätzen sind, welche Antwort am wichtigsten ist und wie präzise sie sein sollte und was getan werden sollte, wenn Antworten gefunden worden sind.

Aufgrund dieser Unterschiede argumentierte Kuhn, dass wahre wissenschaftliche Paradigmenwechsel immer zu besseren Paradigmen führen - Paradigmen, die einen Teil der Welt besser beschreiben. Aber in der Gesamtgesellschaft trifft das nicht zu - dominante Weltanschauungen können von solchen verdrängt werden, die sehr viel schlechter darin sind, die Welt zu erklären oder die für Menschen und die lebendige Welt schädlich sind, ein Phänomen, das bedrückend häufig in der Geschichte auftritt.

Darüber hinaus argumentierte Kuhn, dass sogar, wenn ein viel besseres Paradigma von einer starken Faktenlage unterstützt wird, die wissenschaftliche Gemeinschaft ihre Meinung nicht immer schnell ändert. WissenschaftlerInnen, die ihre ganze Karriere damit verbracht haben, innerhalb des nun überholten Paradigmas zu arbeiten, ändern ihre Meinung oft nicht einmal, wenn die Beweise überwältigend sind. Kuhn zitiert Nobelpreisträger Max Planck mit den Worten: "Eine neue wissenschaftliche Wahrheit triumphiert nicht, indem sie ihre GegnerInnen überzeugt, sondern weil ihre GegnerInnen irgendwann sterben und eine neue Generation ihren Platz einnimmt, die mit ihr aufgewachsen ist."

Und was noch schlechter für uns ist - Kuhn und Planck gehen davon aus, dass die fraglichen Personen ehrlich versuchen, das bestmögliche Paradigma zu finden. Das zu tun ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Vollzeitjob. Glauben wir wirklich, dass die Mehrzahl der Leute ihre Freizeit damit verbringen, die Welt auf tiefergehende Weise zu verstehen, zu versuchen, die riesigen Mengen verfügbarer Informationen durchzugehen und Geschichte, Ökologie und Ökonomie zu begreifen? Die Idee eines Paradigmenwechsels setzt voraus, dass die Mehrheit der Leute aktiv versucht, groß angelegte Lösungen für unsere momentane Lage zu finden, anstatt absichtlich unwissend und zutiefst einem bequemen ökonomischen und sozialen System verhaftet zu bleiben, das die Leute dafür belohnt, dass sie den Planeten zerstören.

Das Problem an dem Gedanken der "Bildung" ist, dass nicht nur Linke sie durchführen und dass sie selten unvoreingenommen ist. Studien haben gezeigt, dass unter Rechtsgerichteten gebildetere Individuen häufiger die Existenz der Klimaerwärmung anzweifeln. Der Grund dafür ist vermutlich, dass sie ihren Irrsinn raffinierter rationalisieren können.

Aber lass uns einen Moment innehalten und die optimistischste (wenn auch etwas entfremdete) Interpretation von Kuhn Konzept wählen und annehmen, dass ein vorteilhafter Paradigmenwechsel stattfinden wird, statt einer Verschlechterung der Politik und der Weltsichten. Für einen solche Wandel würden massenhafte Beweise notwendig sein, dass die dominante Kultur - die Zivilisation - inhärent zerstörerisch ist und dazu verdammt, sich selbst und die lebendige Welt zu vernichten. Da wir nicht mehrere experimentelle Probeläufe einer globalen industriellen Zivilisation durchführen können, wäre für viele Leute der einzige nicht zu leugnende empirische Beweis der fundamentalen Nicht-Nachhaltigkeit des dominanten Systems der Zusammenbruch dieses Systems. Nur nachdem das passiert ist, würde die Mehrzahl der Leute ernsthaft und persönlich daran arbeiten wollen, zu lernen, wie man lebt, ohne den Planeten zu zerstören. Und sogar dann würden diese Leute vermutlich weiterhin auf ihr überholtes Weltbild bestehen bis, wie Max Planck beobachtete, sie sterben, was zu einem weiteren jahrzehntelangen Aufschub nach dem Zusammenbruch führt, bevor das vorteilhaftere Paradigma dominant wird. Das bedeutet, dass sogar nach der optimistischsten und vernünftigsten Einschätzung ein "globaler Paradigmenwechsel" Jahrzehnte zu spät kommen würde.

Ich bin ein Fan von Daniel Quinn. Er sagt, wir sollten einfach aussteigen. Was stimmt mit dieser Strategie nicht?

Derrick Jensen: Damit gibt es zwei Probleme. Die Zivilisation hat überall auf dem Planeten Metastasen gebildet und bombardiert den Mond - wohin willst du gehen wenn du "aussteigt"? In die schmelzende Arktis? Oder in die Mitte des Ozeans, wo es 48-mal so viel Plastik wie Phytoplankton gibt? Wohin sollen wir gehen? In der Brustmilch jeder Mutter ist Dioxin, man kann also nicht mal Muttermilch trinken ohne Dioxin abzukriegen. Krebserregende Stoffe sind in jedem Fluss in den USA und, vermutlich, der Welt.

Wohin sollen wir gehen?

Manche Leute antworten auf diese Frage: "Nein nein, es geht eher um einen mentalen Zustand. Wir sollen emotional aussteigen und uns entziehen." Aber die reale materielle Welt ist die Basis allen Lebens und wir können uns dem nicht entziehen.

Sich zurückzuziehen, wenn man auf moralische Komplexität stößt, ist keine Antwort. Rückzug ist keine Antwort auf Greueltaten. Zweihundert Spezies sind heute ausgestorben. Wenn wir uns mit jenen konfrontiert sehen, die Greueltaten begehen, liegt es an uns, diese Greueltaten mit allen Mitteln zu stoppen. Wenn du in irgendeinem Kellerloch zu Tode gefoltert würdest und ich das wüsste, würdest du wollen, dass ich mich zurückziehe? Würdest du es akzeptieren, wenn ich sagen würde: "Oh, hier ist die Lösung, ich steige aus." Wie würdest du mich nennen wenn ich das tun würde? Ich schätze, dass "Feigling" noch das netteste Wort wäre.

Wie kann ich wissen, dass es innerhalb der Zivilisation keine Aussicht auf Besserung gibt?

Derrick Jensen: Sieh dich um. Neunzig Prozent der großen Fische in den Meeren sind verschwunden. Die Lachsbestände brechen zusammen. Die Wandertauben sind ausgestorben. Der Eskimo-Brachvogel ist fort. 99% der Urwälder sind verschwunden, 99% der Feuchtgebiete, 99% der naturbelassenen Wiesenflächen. Welche Zeichen brauchst du noch?

An welchem Punkt wirst du bereit sein, zuzugeben, dass dieses System hoffnungslos ist? In A Language Older Than Words erkläre ich, inwiefern wir alle unter dem leiden, was Judith Herman "komplexe post-traumatische Belastungsstörung" nennen würde. Judith Herman fragt: "Was passiert, wenn jemand in Gefangenschaft aufgezogen wird? Was passiert, wenn jemand lange Zeit in Gefangenschaft gehalten wird, wie ein/e politische/r Gefangere/r oder ein/e Überlebende/e von häuslicher Gewalt?" Man beginnt zu glauben, dass alle Beziehungen auf Machtverhältnissen geprägt sind, dass Macht das Recht gibt, dass es so etwas wie auf Gegenseitigkeit basierende Beziehungen nicht gibt. Das beschreibt natürlich die ganze Epistemologie dieser Kultur und ihre Art, sich in Beziehung zu setzen. Indigene Völker haben gesagt, dass der grundlegende Unterschied zwischen der Westlichen oder den indigenen Arten zu leben ist, dass sogar die offensten Westler "der natürlichen Welt zuhören" als Metapher sehen und nicht als die Art, wie die Welt wirklich funktioniert. Daher besteht die Welt für sie aus Ressourcen, die ausgebeutet werden sollen und nicht aus Wesen, mit denen man sich in Beziehung setzen kann. Wir sind so traumatisiert, dass wir unfähig sind, wahrzunehmen, dass echte Beziehungen möglich sind. Das ist ein Grund, warum diese Kultur nicht zu retten ist.

Hier ist noch eine Antwort. In Culture of Make Believe habe ich darüber geschrieben, inwiefern diese Kultur nicht zu retten ist, weil ihr System der sozialen Belohnungen unausweichlich zu Grausamkeiten führt. Diese Kultur basiert auf Konkurrenz statt Kooperation und wird daher unvermeidlich zu Kriegen um Ressourcen führen.

Die Anthropologin Ruth Benedict hat versucht, herauszufinden, warum manche Kulturen (um ihr Wort zu benutzen) gut sind und andere nicht. In einer guten Kultur behandeln Männer Frauen gut, Erwachsene behandeln Kinder gut, die Leute sind generell glücklich und es gibt nicht viel Konkurrenz. Sie fand heraus, dass die guten Kulturen alle eins gemeinsam hatten. Sie hatten etwas sehr Einfaches herausgefunden: sie erkennen an, dass Menschen sowohl sozial als auch egoistisch sind und vereinen Egoismus und Altruismus, indem sie Verhaltensweisen, von denen die gesamte Gruppe profitiert, loben, und Verhaltensweisen verbieten, die dem Individuum auf Kosten der Gruppe nutzen. Die schlechten Kulturen belohnen Verhalten sozial, das dem Individuum auf Kosten der Gruppen nutzt. Wenn man Verhalten belohnt, das der Gruppe nutzt, bekommt man auch solches Verhalten. Wenn man Verhalten belohnt, das egoistisch und raffgierig ist, bekommt man solches Verhalten. Eine Grundlage der Verhaltensänderung.

Diese Kultur belohnt zutiefst raffgieriges, psychopathologisches Verhalten und das ist dann auch das Verhalten, das wir zu sehen bekommen. Es ist unvermeidlich.

Willst du noch eine Antwort? In Endgame erkläre ich, dass eine Kultur, die Ressourcen importiert, nicht nachhaltig sein kann. Um nachhaltig zu sein, muss eine Kultur ihrer Landbasis helfen, aber Ressourcen zu importieren bedeutet, das Land dieser Ressource zu berauben. Wenn eine Stadt wächst, beraubt sie ein immer größeres Gebiet. Die Lebensweise dieser Kultur kann niemals nachhaltig sein.

Diese Art zu leben basiert immer auf Gewalt. Wenn die Kultur den Import von Ressourcen benötigt, wird Handel niemals verlässlich genug sein. Wenn die Leute an der nächsten Wasserquelle eine Ressource haben, die diese Kultur braucht, wird Letztere sie sich nehmen. Wir könnten alle Mini-Bodhisattvas werden und die Armee müsste immer noch riesig sein. Die Zivilisation ist auf einer funktionalen Ebene nicht zum Guten zu wenden.

Wir können über neue Technologien reden soviel wir wollen, aber solange diese Kupferdrähte benötigen, werden sie eine industrielle Infrastruktur benötigen, sie werden eine Bergbau-Infrastruktur benötigen und das ist von vorn herein nicht nachhaltig.

Im Moment geben die USA jedes Jahr 100 Milliarden Dollar aus um Afghanistan einzunehmen und zu besetzen. Das sind 3.500 Dollar pro Jahr für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in Afghanistan. Gleichzeitig fragen von rechten TV-KommentatorInnen bis zu den Zombies im öffentlichen Radio alle ob "es zu teuer ist, die Klimaerwärmung zu stoppen." Es ist nie genug Geld übrig für lebensbejahende Ziele.

In welche Richtung ich auch blicke, ich sehe kein Anzeichen, dass diese Kultur zum Guten zu wenden wäre. Die reale physische Welt wird ermordet. Das Muster ist sichtbar. Wir müssen dieses Muster erkennen und dann müssen wir jene, die den Planeten töten, stoppen.

Wie kann ich sicher sein, dass meine Taten nicht die Auslöschung von genau den Spezies, die ich zu retten versuche, beschleunigt oder verursacht? Wie kann ich sicher sein, dass meine Taten nicht dazu führen, dass hungrige Menschen jedes wilde Tier in ihrer Umgebung töten, um es zu essen, oder auch noch den letzten Baum fällen, weil sie Brennstoff brauchen?

Derrick Jensen: Wir können nichts davon mit Sicherheit wissen. Wir können uns nur sicher sein, dass die Zivilisation, wenn sie weiter besteht, jedes Lebewesen auf der Erde töten wird. Aber lass uns ein realistisches Extremszenario betrachten. Tschernobyl war eine furchtbare Katastrophe. Aber es hat zu einem spektakulär positiven ökologischen Ergebnis geführt: die Menschen halten sich seitdem von der Gegend fern und die wilden Tiere kehren zurück. Verstehst du, was das bedeutet? Der Alltagszustand der Zivilisation ist schlimmer als eine nukleare Katastrophe. Es wäre schwierig, mehr Schaden zu verursachen als Tschernobyl.

Sicher, sei vernünftig und denk über diese Fragen nach. Aber wenn wir nicht handeln, wird nichts mehr übrig sein. Was die Welt benötigt, ist, in Ruhe gelassen zu werden. Was die Welt benötigt, ist, dass diese Kultur - die sie aufschneidet, foltert, tötet - gestoppt wird.

Wenn die Entscheidende Ökologische Kriegsführung durchgeführt und das Stromnetz zum Zusammenbruch gebracht würde, würde das nicht zu Super-GAUs führen?

Das Hauptproblem bei nuklearen Störfällen ist der atomare Müll, nicht das atomare Material in dem Reaktor selbst. Gelagerter Atommüll war das Hauptproblem bei dem Fukushima-Super-GAU 2011. Gelagerter Atommüll war das Hauptproblem während der Feuer in der Nähe des Los Alamos-Atommülllagers sowohl 2000 als auch 2011 und nachdem ein Atomreaktor in Mississippi 2011 fast geflutet worden wäre. Der Reaktor beinhaltet nur eine kleine Menge an aktivem Brennstoff verglichen mit den ausgebrannten Brennstäben in Lagern.

Es ist fast unvermeidlich, dass in den kommenden Jahrzehnten noch mehr nukleare Unglücksfälle stattfinden, ob das Stromnetz zerstört wird oder nicht, Gefährlicher radioaktiver Abfall wird sich sammeln, solange die industrielle Zivilisation weiter besteht und es gibt fast keine sicheren Endlager auf der Welt. Daher werden Atomkraftwerke immer gefährlicher, da mehr und mehr Atommüll in ihnen aufbewahrt wird.

Atomkraftwerke sind am gefährlichsten wenn - wie in Fukushima - direkter physischer Schaden am Kraftwerk die Reservegeneratoren und anderes Sicherheitsequipment beschädigt. Reaktoren sind so gebaut, dass sie mit einfachen Stromausfällen umgehen können, daher ist ein Versagen des Stromnetzes einer der am wenigsten gefährlichen Szenarien für ein Atomkraftwerk. Es ist unwahrscheinlich, dass ein einziger dramatischer Stromausfall die industrielle Ökonomie zum Zusammenbruch bringen und eine weitflächige atomare Katastrophe auslösen wird. Es ist wahrscheinlicher, dass eine steigende Anzahl von mittelgroßen Stromnetz-Sabotagen zur Abschaltung von Atomkraftwerken führen wird, oder zumindest dazu, dass mehr über Sicherheitsvorkehrungen nachgedacht wird. Beispielsweise haben mehrere Länder nach Fukushima angefangen, ihre Atomprogramme zu beenden oder aufzuschieben.

Die momentane abgeriegelte Zone um Fukushima umfasst ca. 600km². Diese temporäre Zone wird vermutlich - wie Tschernobyl - ironischerweise in den kommenden Jahrzehnten ökologisch reicher werden. (Siehe oben).

Die meisten großen Energiequellen sind weitaus gefährlicher, wenn sie weiter betrieben werden. Gipfelabsprengungen für Kohleförderung in Appalachia werden dieses Jahr 5,700km² Land fordern - und nächstes Jahr wieder, wenn sie nicht aufgehalten werden. Jenes Land wird Jahrtausende brauchen, um sich zu erholen, sofern das Verbrennen der nämlichen Kohle nicht einen rasanten, unkontrollierbaren Klimawandel auslöst. 85.000km² Land in Alberta sind bisher für Teersandausbeutung gepachtet worden.

Zukünftige atomare Unglücksfälle in schlecht gewarteten Kraftwerken werden sehr schlimm sein, aber der gewohnte Gang der Dinge ist noch weitaus destruktiver. Und während atomare Strahlung mit der Zeit verschwindet, werden sich Treibhausgase schneller und schneller konzentrieren, sobald sie einen bestimmten Punkt passiert haben, wenn nicht etwas dagegen getan wird.

Wenn wir die Zivilisation zum Zusammenbruch bringen, wird das nicht Millionen von Leuten, die in Städten leben, töten? Was ist mit ihnen?

Derrick Jensen: Egal, was du tust, deine Hände werden blutrot sein. Wenn du an der globalen Ökonomie teilnimmst, sind deine Hände blutrot, weil die globale Ökonomie Menschen und nichtmenschliche Lebewesen überall auf dem Planeten tötet. Eine halbe Million Kinder stirbt jedes Jahr als direktes Resultat der sogenannten "Schuldenrückzahlungen" von Nicht-Industrialisierten an industrialisierte Länder. Sechzigtausend Leute sterben jeden Tag an Verschmutzung. Und was ist mit all den Leuten, die von ihrem Land vertrieben werden? Eine Vielzahl von Leuten stirbt bereits. Angesichts von Gräueltaten nicht aktiv zu werden, ist keine Antwort.

Die bittere Realität ist, dass sowohl der Wegfall von Strom als auch der Zusammenbruch der Vielfalt an Lebensformen schlimmer sein wird, je mehr die dominante Kultur die Grundlagen für Leben auf dem Planeten zerstört. Und trotzdem gibt es Leute, die sagen, dass die Befürworter einer Zerstörung der Zivilisation es sind, die für Völkermorde sind.

Eisbären und Silberlachse würden das anders sehen. Traditionell lebende Indigene würden es anders sehen. Die Menschen, die das erben, was übrig sein wird, wenn die dominante Kultur endlich fällt, würden es anders sehen.

Ich selbst sehe es anders.

Meine Definition davon, die Zivilisation zu demontieren, ist, den Reichen die Fähigkeit zu nehmen, von den Armen zu stehlen und den Mächtigen die Fähigkeit, den Planeten zu zerstören. Niemand außer einem Kapitalisten oder einem Soziopathen (wenn es da einen Unterschied gibt) würde das anders sehen.

Vor einigen Jahren habe ich Anuradha Mittal, die frühere Direktorin von Food First, gefragt: "Würde es den Leuten in Indien besser gehen, wenn die globale Ökonomie morgen verschwinden würde?" Und sie sagte: "Natürlich." Sie sagte, dass es den Armen überall auf der Welt besser gehen würde wenn die globale Ökonomie zusammenbrechen würde. Es gibt frühere Kornkammern in Indien, die jetzt Hundefutter und Tulpen nach Europa exportieren. Die auf dem Land lebenden Armen überall auf der Welt werden von diesem System ausgebeutet. Würde es ihnen besser gehen? Was ist mit den FarmerInnen in Indien, die von ihrem Land vertrieben werden, damit Coca Cola an ihr Wasser herankommt? Ein signifikanter Teil der Leute auf der Welt haben keinen Zugang zu Elektrizität. Würde es ihnen schlechter gehen, wenn das Stromnetz zusammenbrechen würde? Nein, es ginge ihnen sofort besser. Was ist mit den Indigenen in Peru, die Ölexploration durch Hunt Oil auf ihrem Land zu stoppen versuchen, welche wegen den Handelsabkommen zwischen den USA und Peru legal ist?

Wenn jemand sagt: "Eine Menge Leute werden sterben", dann müssen wir darüber reden, um welche Leute es sich handelt. Leute überall auf der Welt ertragen bereits Hungersnöte, aber sie sterben zumeist nicht an Hunger, sie sterben an Kolonialisierung, weil ihr Land und ihre Ökonomien gestohlen wurden. Wir hören ständig, dass das Wasser fast alle ist. Es gibt aber immer noch so viel Wasser wie schon immer, nur werden 90% des Wassers, das von Menschen genutzt wird, für Landwirtschaft und Industrie verwendet. Menschen sterben an Durst, weil das Wasser gestohlen wird.

Als ich ein Mitglied der peruanischen RebellInnengruppierung MRTA, der Tupacameristas, fragte: "Was wollt ihr für die Bevölkerung Perus erreichen?", antwortete er: "Was wir wollen, ist, dass wir unser eigenes Essen produzieren und verteilen können. Wir wissen schon, wie das geht. Wir brauchen nur die Erlaubnis, es zu tun." Das ist der ganze Kampf.

Ich dachte früher, dass es wahr ist, dass die in Städten lebenden Armen zunächst schlechter dran sein würden, weil die dominante Kultur, wie jedes erfolgreiche auf Misshandlungen aufbauende System, es so eingerichtet hat, dass die Leben seiner Opfer von ihm abhängen. Das ist es, was Misshandler machen, ob es sich um häusliche Gewalt handelt oder um Gewalttäter auf einer größeren Ebene. Eine der brillanten Dinge, die diese Kultur getan hat, ist, sich zwischen uns und unsere Selbstgenügsamkeit zu schieben, zwischen uns und die Quelle allen Lebens. Daher glauben wir, dass das System uns versorgt, nicht die wirkliche Welt.

Aber letztens habe ich Vandana Shiva gefragt, ob die Bevölkerung Mumbais, beispielsweise, schnell besser dran wäre, wenn die globale Ökonomie zusammenbrechen würde. Sie sagte ja, aus den selben Gründen wie Mittai: die meisten Armen in Indien sind da weil sie von ihrem Land vertrieben wurden, als ihr Land von transnationalen Konzernen gestohlen wurde. Wenn die globale Ökonomie verschwände, würden sie aufs Land zurückkehren und es wiedergewinnen. Wenn sie die Wahl hätten, ihr Land zurück zu bekommen oder in der Stadt zu bleiben, würden fast alle zurück aufs Land ziehen.

Wir reden über eine riesige Anzahl Leute. Die meisten in Städten wohnenden Armen sind Leute, die in Slums in der dritten Welt leben. Das ist mehr als eine Milliarde Leute und wenn sich die momentanen Trends fortsetzen, werden es in zwei Jahrzehnten doppelt so viele sein. Viele davon sind Leute, die von ihrem traditionellen Land vertrieben wurden. Die Armen werden dieses Land zurücknehmen können, wenn die Regierungen der Welt nicht mehr fähig sind, Strukturen der kolonialen Ausbeutung aufrecht zu erhalten.

Ich habe noch eine andere Antwort. Wenn diese Kultur zusammenbricht, wird ein großer Teil des entstehenden Elends daher kommen, dass die Reichen versuchen werden, ihren Lebensstil aufrecht zu erhalten. Während des Zusammenbruchs werden jene, die schon jetzt ausbeuten, dies weiterhin tun. Schieb die Schuld nicht auf die, die diese Ausbeutung stoppen wollen. Hilf stattdessen, die Ausbeutung zu stoppen, die in erster Linie für den Mord an Menschen verantwortlich ist.

Die AutorInnen dieses Buches fragen nicht fröhlich, wer sterben wird. In wenigstens einem Fall ist die Antwort: "Ich." Ich habe Morbus Crohn und mein Überleben hängt von Hightech-Medizin ab. Ohne diese Medizin werde ich sterben. Aber mein Einzelschicksal ist nicht, worauf es ankommt. Das Überleben des Planeten ist wichtiger als das Leben eines jeden einzelnen Menschen, inklusive des Meinen.

Da die industrielle Zivilisation die ökologische Infrastruktur des Planeten systematisch zerstört, wird mehr Leben übrigbleiben, je schneller die Zivilisation fällt. Und dieses Leben wird sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Lebewesen unterstützen. Wir können uns um das Wohlergehen jener Menschen kümmern, die während und direkt nach dem energietechnischen und ökologischen Absturz leben werden, indem wir die Leute auf eine lokal basierte Zukunft vorbereiten. Wir können den Asphalt in verlassenen Parkhäusern abreißen, um diese in Nachbarschaftsgärten zu konvertieren, wir können den Leuten beibringen, lokale essbare Pflanzen zu erkennen, damit sie nicht verhungern, wenn sie nicht mehr in den Supermarkt gehen können. Wir können Nachbarschaftsräte bilden, die Entscheidungen treffen, Konflikte beilegen und gegenseitige Hilfe anbieten.

Wie kann ich helfen, die Zivilisation zu stürzen, ohne mein Leben für eine sinnlose Verzweiflungstat wegzuwerfen?

Derrick Jensen: Darauf gibt es drei Antworten. Die Philosophische ist, dass wir die Zukunft nicht kennen können. Wir werden niemals wissen, ob eine bestimmte Handlung sinnvoll war. Wir sollten die Aktionen wählen, die wir für am effektivsten halten, aber das garantiert nicht, dass eine gegebene Tat auch wirklich erfolgreich sein wird. Was wir wissen, ist, dass diese Kultur, wenn sie so weitermacht wie bisher, auch dort ankommen wird, wohin dieser Weg führt, nämlich beim Mord an dem Planeten. Es gibt bereits Opfer, nämlich die Lachse. Oder die Haie. Oder die Trauerseeschwalben. Oder die Zugvögel. Oder die Meere, die Flüsse. Oder die indigenen Völker. Oder die Armen. Oder die Subsistenzbauern. Oder die Frauen.

Die zweite, historische Antwort befasst sich damit, wie Widerstandsbewegungen funktionieren. Du verlierst und verlierst und verlierst und dann gewinnst du. Du kriegst den Schädel gespalten, kriegst den Schädel gespalten, kriegst den Schädel gespalten und dann gewinnst du. Man kann nicht am Anfang wissen, wie oft man den Schädel gespalten kriegt, bevor man gewinnt. Aber Kampf baut auf Kampf auf. Er muss irgendwo anfangen und er muss in Schwung kommen. Das geschieht durch Organisieren, es geschieht durch Aktionen. Und es geschieht durch Siege. Eins der besten Werkzeuge zur Rekrutierung ist ein Sieg. Und man kann nicht gewinnen, wenn man es nicht versucht.

Und jetzt die pragmatische Antwort: wir sind furchtbar in der Unterzahl und haben nicht den Luxus, unsere Leben wegzuwerfen. Wie können wir am effektivsten sein? Wir müssen schlau sein. Wähle deine Ziele sorgsam, sowohl nach strategischem Wert als auch im Bezug auf Sicherheit. Und wir müssen uns organisieren. Die Chancen einer Einzelperson, eine größere Bewegung anzustoßen, sind viel geringer als die einer Gruppe.

Was eine Person auch tut (und das trifft auf alle Lebensbereiche zu), es muss zählen. Viele der Aktionen, die im Moment durchgeführt werden, sind im Kern Vandalismus, keine aktive Sabotage, die den Fortschritt der Maschine verlangsamen wird. Also wähle. Wie kannst du bewirken, dass deine Taten (und dein Leben) möglichst bedeutsam dafür sind, das Verüben von Gräueltaten zu verhindern?

Alle, die anfangen, sich der Macht eines repressiven Staates zu widersetzen, müssen akzeptieren, dass sich ihr Leben verändern wird. Sie müssen diese Entscheidung sehr ernst nehmen. Manche der Leute, die im Laufe der Green Scare [eine Welle von Verhaftungen von NaturschützerInnen in den USA in den 2000ern, d.Ü.] verhaftet wurden, wussten, worauf sie sich einließen, andere trafen die Entscheidung unüberlegter. Letztere wurden sehr schnell "umgedreht" als sie verhaftet wurden. Eine Person brach fünf Sekunden, nachdem sie in das Polizeiauto stieg. Er hatte sich vermutlich nicht viele Gedanken über die Auswirkungen seiner Taten gemacht, bevor er anfing. Die Schwarzen Panther dagegen wussten, als sie sich dem Kampf anschlossen, dass sie entweder sterben oder im Gefängnis landen würden.

Und schließlich müssen wir immer im Blick behalten, wofür wir kämpfen. Wir kämpfen für das Leben auf der Erde. Und die Wahrheit ist, dass das Leben des Planeten wertvoller ist als das Deine. Es ist wertvoller als das Meine. Es ist die Quelle allen Lebens. Das ändert nichts daran, dass wir schlau sein müssen. Wir müssen sehr strategisch vorgehen. Und wir müssen handeln.

Hat John Brown sein Leben weggeworfen? Einerseits könnt man sagen, ja. Sein Projekt scheiterte am Ende. Aber andererseits könnte man sagen, dass es auf größere Dinge vorbereitete. Hat Nat Turner sein Leben weggeworfen? Haben die Leute, die sich am Sobibor-Aufstand beteiligten, ihre Leben weggeworfen? Einerseits könnte man ja sagen. Andererseits könnte man sagen, dass was sie taten absolut richtig und notwendig war. Und etwas, woran wir uns immer erinnern müssen, ist, dass die, die sich an dem Aufstand im Warschauer Ghetto beteiligten, eine höhere Überlebensrate hatten als die, die sich nicht widersetzten. Wenn der ganze Planet zerstört wird, wird deine Tatenlosigkeit dich nicht retten. Wir müssen das größere Leben wählen. Wir müssen wählen, das zu tun, was richtig ist, um den Planeten zu schützen. Er ist unsere einzige Heimat.

Was bedeutet "Übergrund" und "Untergrund"?

Bei DGR benutzen wir diese Begriffe, um zwischen unterschiedlichen Teilen der Bewegung zu unterscheiden. "Übergrund" bezieht sich auf die Teile einer Widerstandsbewegung, die in der Öffentlichkeit stehen und sich mehr oder weniger an die Regeln des Staates halten. Das bedeutet, dass Übergrund-Aktivismus und -Widerstand normalerweise auf gewaltfreie Aktionsformen beschränkt ist. DGR ist eine Übergrund-Organisation; wir stehen in der Öffentlichkeit und verstecken nicht, wer wir sind oder was wir wollen, denn Offenheit und eine breite Mitgliederbasis sind, was Übergrund-Organisationen effektiv macht.

"Untergrund" bezieht sich auf die Teile einer Widerstandsbewegung, die im Geheimen operieren. Im Allgemeinen nutzen diese Gruppen militantere oder gewaltsamere Taktiken wie Sabotage oder die Zerstörung von Besitz, um ihre Ziele zu erreichen. Die Verwendung dieser Taktiken macht sie zu einem offenen Feind des Staats, weshalb Sicherheit und Geheimhaltung sehr wichtig für Untergrund-Gruppen sind. Historisch gesehen haben diese Gruppen einen stringenten Beitrittsprozess, um sicherzustellen, dass die neuen RekrutInnen auf die psychologischen und/oder körperlichen Anforderungen von Untergrundarbeit vorbereitet sowie für den Kampf und andere notwendige Operationen trainiert sind und sich mit Sicherheitskultur auskennen.

Sicherheitskultur ist außerdem wichtig, um die Effektivität von Übergrundgruppen zu erhalten.

DGR operiert ausschließlich im Übergrund. Wir beantworten keine Fragen, die sich auf den Wunsch beziehen, eine Untergrundgruppe zu gründen oder einer Solchen beizutreten. Wir wollen uns nicht an der Organisation eines Untergrunds beteiligen oder davon wissen. Wir tun dies, um die Sicherheit der Mitglieder von DGR zu gewährleisten.

Was ist eine "Kultur des Widerstands"?

Eine Kultur des Widerstands existiert, um zu organisiertem politischen Widerstand zu ermutigen und ihn zu fördern, um den Willen zu kämpfen zu nähren. Sie hilft Personen, ihre psychologische Identifikation mit dem unterdrückerischen System zu brechen und eine neue Identität aufzubauen, die auf Selbstrespekt und Solidarität basiert. Sie bietet sowohl die emotionale Unterstützung einer funktionierenden Gemeinschaft, die an Widerstand glaubt, als auch eine intellektuell kraftvolle Atmosphäre, die Analyse, Diskussion und die Entwicklung eines politischen Bewusstseins fördert. Sie produziert kulturelle Produkte wie Gedichte, Lieder und Kunst, die um das Thema "Widerstand" kreisen. Sie baut neue Institutionen auf, die die Aufgaben der Korrupten übernehmen werden, sobald Letztere fallen. Und sie bietet Loyalität und materielle Unterstützung für jene, die an der Front des Übergrunds kämpfen, sowie für politische Gefangene.

Warum sollte ich groß angelegte Aktionen gegen das System unternehmen, wenn das, besonders in der Ersten Welt, fast niemand sonst tut?

Derrick Jensen: Weil die Welt ermordet wird. Und weil Mitglieder der sogenannten "Ersten Welt" die Haupt-NutznießerInnen sind. Es sollten nicht schon wieder die Armen an vorderster Front kämpfen müssen. Es sollten nicht die Indigenen sein. Es sollten nicht die nichtmenschlichen Lebewesen sein. Es ist unsere Verantwortung als NutznießerInnen dieses System, es zum Stillstand zu bringen.

MEND (die Bewegung für die Befreiung des Niger-Deltas) hat es geschafft, die Ölförderung in Nigeria um bis zu 30% zu reduzieren. Sie haben dies getan, weil sie das Land, auf dem sie leben, lieben und weil dieses Land zerstört wird. Wir haben weitaus mehr Ressourcen zur Verfügung. Es ist unsere Verantwortung, diese Ressourcen und die Privilegien, die wir haben, zu nutzen, um diese Kultur davon abzuhalten, den Planeten zu töten.

Was könnte eine Widerstandsbewegung gegen die Zivilisation von anderen Bewegungen unterscheiden, die die Mächtigen durch Unterwanderung, Überwachung und Störung überwältigt haben? Gibt es neue Strategien und Taktiken, die sich diesen neuen Systemen und Technologien widersetzen können?

Derrick Jensen: Ehrlich gesagt - nein. Ein großer Nachteil, den die Leute heute gegenüber früher haben, ist, dass wir heute in einem Panopticon leben. Zu überwachen und aus der Ferne zu töten ist heute viel einfacher als in der Vergangenheit. Vergleich die Macht des Staates jetzt beispielsweise mit der zur Zeit der Nazis. Für die Nazis war die Technologie des Fingerabdrucks noch sehr neu. Sie hatten nichts, was mit den Überwachungskapazitäten moderner Staaten vergleichbar wäre. Sie hatten nur rudimentäre Computer. Sie hatte keine Möglichkeit, Stimmerkennungssoftware zu entwickeln. Sie hatten gar keine Software. Daher haben die Mächtigen einen riesigen Vorteil gegenüber heutigen Volksbewegungen.

Indigene und traditionelle Widerstandsbewegungen hatten Dörfer, in denen sie sicher waren. Sie hatten wilde Orte, an denen sie sicher waren. Sie hatten ihr eigenes Territorium. Heute haben die Leute das nicht. Sie haben allerdings den einen Vorteil gegenüber den indigenen Widerstandsbewegungen der letzten 500 Jahre, dass sie in der Menge untergehen. Tecumseh hätte nicht nach Philadelphia gehen können, ohne erkannt zu werden. Die Leute heutzutage haben diesen Vorteil.

Aber der größte Vorteil, den wir heute haben, ist, dass das Zeitalter des Überflusses vorbei ist. Das Zeitalter des billigen Öls ist vorbei. Die heutigen Reiche sind auf dem Weg des Zusammenbruchs. Es schien immer so, als würde, wenn sich die Zivilisation auflöst, jedes Individuum, das auch nur im Entferntesten gegen sie ist, an die Wand gestellt werden. Aber jetzt sieht es so aus, als wenn die HerrscherInnen der Zivilisation wenn sie zerbricht nicht einmal mehr fähig sein werden, Briefe zuzustellen, geschweige denn die Art der Unterdrückung aufrecht zu erhalten, die sie historisch auf die angewandt haben, die sich ihrer Herrschaft widersetzten. Denk an den Zusammenbruch der Sowjetunion; sie ist einfach auseinandergefallen, anstatt dass es Säuberungen und Gulags gab. Die Sowjetunion hatte nicht mehr die Ressourcen dafür.

Sogar die USA zerfallen. Die US-Regierung kann nicht mal mehr die Wassersysteme und Straßen in diesem Land aufrechterhalten. Die Staats- und die Landesregierungen können die Universitäten nicht mehr bezahlen. Die Mächtigen haben weder das Geld noch die Ressourcen und werden sie auch nie wieder haben.

Wenn jemand in der Vergangenheit einen wichtigen Teil der Infrastruktur zerstört hätte, wären die Mächtigen fähig gewesen, ihn zu ersetzen. Aber jetzt haben die Regierungen der Welt nicht mehr das Geld. Je mehr sie für den Wiederaufbau ausgeben, desto weniger primären Schaden können sie anrichten.

Eine Widerstandsbewegung wird in den Mainstream-Medien dämonisiert und als Gruppe von ÖkoterroristInnen dargestellt werden. Gibt es etablierte alternative Medien, die eine Strategie haben, dem entgegenzutreten?

Derrick Jensen: Es gibt etablierte alternative Medien, aber werden sie diese Dämonisierung verhindern können? Nein. Die alternativen Medien sind zahm und voll von horizontaler Feindseligkeit. Die größere Frage ist: "Gibt es ein mediales Forum, das ernsthaften Widerstand gegen den Mord am Planeten durch diese Kultur unterstützt?" Und die Antwort ist leider nein. Sogar die sogenannten Naturmagazine leisten großen Widerstand dagegen, irgendetwas zu empfehlen, das über Kompostieren und Fahrradfahren hinausgeht. Oder vielleicht sollte ich lieber sagen, viele der Leser tun das. Eine der Absichten von [Deep Green Resistance] ist, eine Literatur des Widerstands zu produzieren - eine absolute notwendige Literatur des Widerstands - die hilfreich dabei sein wird, eine weiter gefasste Medienlandschaft des Widerstands zu etablieren. Das bedeutet alle möglichen Formen, von Comics über Filme und Bücher hin zu Graffiti und dazu, dass Leute im Hintergarten Gespräche führen. Wir müssen darüber reden und wir müssen das offen tun. Eine der absolut notwendigen Voraussetzungen für Widerstand ist, dass wir darüber reden. Das traf auf jede Widerstandsbewegung in der Vergangenheit zu und wird wahr sein, so lange es Widerstandsbewegungen gibt. Wir müssen alle Optionen in Betracht ziehen und sie offen, ehrlich und ernsthaft diskutieren.

Gibt es ein Solidaritäts-/Unterstützungsnetzwerk, das jemanden unterstützt, der für Aktivismus ins Gefängnis kommt? Gibt ein Unterstützungsnetzwerk, das Familien unterstützt, deren HauptverdienerIn für Aktivismus ins Gefängnis kommt?

Derrick Jensen: Ersteres existiert. Das Anarchist Black Cross beispielsweise unterstützt politische Gefangene und es gibt andere Organisationen, die das auch tun. Aber die Wahrheit ist, das wir eine viel breitere Basis aufbauen müssen. Unterstützung für Häftlinge ist ziemlich knapp. Aber es ist einfach, die grundlegenden Sachen dafür zu tun. Meine Mutter schreibt jedes Jahr vielen politischen Gefangenen an ihren Geburtstagen und um die Wintersonnenwende herum. Viele dieser Leute sind seit 30 oder 40 Jahren im Gefängnis und ihre Briefe können zu den zwei oder drei gehören, die sie im Jahr erhalten. Die Organisationen existieren also, aber sie müssen noch viel robuster werden. Und was Unterstützung für Familien angeht, nein, die gibt es nicht. Es sollte sie aber geben. Dies sind Dinge, die von denen getan werden sollten, die vollständig im Übergrund sind. Wir haben in diesem Buch mehrfach betont, dass nicht jedeR ernsthafte illegale Aktionen unternehmen muss. Aber wir brauchen eine Kultur des Widerstands und ein Teil dieser Kultur ist ein robustes Netzwerk zur Unterstützung von Gefangenen, um denen zu dienen, die an vorderster Front kämpfen. Wir müssen unsere SoldatInnen, jene, die für den Planeten kämpfen, systematisch unterstützen. Das ist notwendig und bisher existiert es nicht.

Habt ihr AnwältInnen, die uns helfen/uns beraten, wenn wir aktiv werden?

Wir arbeiten im Moment daran, rechtliche Unterstützung aufzubauen. Wir brauchen Freiwillige für diese und andere Aufgaben.

Wie kann ich das Risiko auf mich nehmen, gefangen genommen zu werden, wenn das bedeutet, meine Familie/Kinder oder meine/n FreundIn nie wieder zu sehen und ihnen nicht mehr in diesen schwierigen Zeiten beistehen zu können?

Derrick Jensen: Nichts in diesem Buch soll Leute dazu anhalten, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen. Tatsächlich soll nichts in diesem Buch Leute dazu anhalten, irgendetwas Illegales zu tun (auch wenn es anerkennt, dass nichts Illegales getan zu haben nicht garantiert, dass man nicht von den Mächtigen bestraft wird). Wir haben viele Male gesagt, dass es viele Arten gibt, auf die sich eine Kultur des Widerstands manifestieren kann, eine große Zahl an Aktivitäten, an denen du teilnehmen kannst, die nicht so riskant sind wie Untergrundaktionen. Wenn deine Hauptsorge ist, gefangen genommen zu werden, gibt es viele andere Dinge, die du tun kannst.

Aber vergiss nicht, dass, wenn die Repression durch den Staat wirklich schlimm wird, er dich holen kommen kann, auch wenn du im Übergrund bist. Es sind oft die Intellektuellen, die in der Öffentlichkeit stehen, die OrganisatorInnen und die SchriftstellerInnen, die ins Gefängnis kommen. Die Leute im Untergrund, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, sind manchmal sicherer.

Aber vielleicht sollten wir die Frage umdrehen. "Bist du bereit, das Risiko einzugehen, keine Fische im Meer zu haben?" Wenn es so weitergeht wie bisher, wird es 2050 keine Fische mehr im Meer geben. Die Amphibien sterben bereits. Die Wandervögel sterben bereits. Der Planet stirbt. Bist du bereit, das zu riskieren?

Nichts davon ist theoretisch. Wenn das industrielle System beginnt, zusammenzubrechen, werde ich sterben. Mein Leben hängt von Hightech-Medizin ab. Aber es gibt größere und wichtigere Dinge als mein Leben.

Wenn wir effektiv gegen die Mächtigen agieren, werden sie uns dann nicht nur noch härter bestrafen?

Derrick Jensen: Das werden sie, aber das ist kein Grund, sich zu unterwerfen. Dies ist, wie autoritäre Regime und MisshandlerInnen agieren: sie machen ihren Opfern Angst davor, zu handeln. Sie schaffen die Mentalität: "Wenn ich versuche, ihn zu verlassen, wird mein gewalttätiger Ehemann oder mein Zuhälter mich töten." Und das ist ein sehr guter Grund, sich nicht zu widersetzen.

Diese Frage artikuliert explizit etwas, von dem wir alle wissen, dass es wahr ist: die Grundlage dieser Kultur ist Gewalt. Und der Hauptgrund, warum wir keinen Widerstand leisten, ist, dass wir Angst vor dieser Gewalt haben. Wir wissen, wenn wir entschieden handeln, um die Orte und Kreaturen, die wir lieben, zu schützen, oder wenn wir versuchen, die Ausbeutung der Armen durch Firmen zu stoppen, dann werden die Mächtigen uns mit der vollen Macht des Staats bestrafen. Wir können soviel wir wollen darüber reden, dass wir angeblich in einer Demokratie leben. Und wir können soviel wir wollen von der Zustimmung der Regierten reden. Aber worauf es wirklich hinausläuft, ist, dass die Mächtigen dich, wenn du dich effektiv ihrem Willen widersetzt, versuchen umzubringen. Wir müssen das explizit betonen, damit wir der Situation, in der wir sind, ins Augen blicken können. Und die Situation, in der wir sind, ist, dass die Mächtigen den Planeten töten und die Armen ausbeuten und ermorden und dass wir sie nicht stoppen, weil wir Angst haben.

Aber es muss ein paar Leute unter uns geben, die dennoch bereit sind, zu handeln. Wir sollten niemals den Ernst des Vorhabens anzweifeln, die Mächtigen zu stoppen. Und wir müssen uns auch im Klaren darüber sein, wie schwerwiegend die Dinge sind, die mit der Welt passieren. Wenn du dieses Buch liest, verstehst du vermutlich, wie verzweifelt die Lage ist.

Was ist das Vermächtnis, das wir denen hinterlassen wollen, die nach uns kommen? Wie willst du von den Generationen gesehen werden, die der Deinen folgen? Willst du als jemand gesehen werden, der wusste, was getan werden muss, aber es nicht tat, weil er Angst hatte? Oder willst du als jemand gesehen werden, der Angst hatte und trotzdem das Richtige getan hat? Es ist okay, Angst zu haben. Fast jeder, den ich kenne, hat manchmal Angst. Aber zu tun, was richtig ist, bringt auch eine große Freude und ein großes Hochgefühl. Die Tatsache, dass die Mächtigen ihre Macht gegen WiderstandskämpferInnen nutzen werden, ist kein Grund, den Kampf aufzugeben bevor er angefangen hat. Es ist ein Grund, sehr, sehr schlau vorzugehen.

Was ist mit denen passiert, die versucht haben, Gewalt anzuwenden? Fred Hampton, Laura Whitehorn und Susan Rosenberg sind nur einige der Vielzahl von Leuten, die versucht haben, Gewalt anzuwenden und die dann tot, fälschlich angeklagt oder im Gefängnis geendet sind. Du sagst, wir haben alle eine Rolle; findest du nicht, du forderst andere auf, etwas zu tun, was du selbst nicht bereit bist zu tun?

Derrick Jensen: In wie großer Gefahr man ist, ist keine Frage davon, ob man im Über- oder Untergrund aktiv ist. Wenn Repression offener wird, sind es oft die Leute im Übergrund, die zuerst von den Mächtigen ins Visier genommen werden. Erich Mühsam war im Übergrund. Ken Saro-wiwa war es auch. Viele AutorInnen waren in dieser Situation. Das ist unsere Rolle. Unsere Rolle ist es, große Zielscheiben über unsere Brust zu hängen und auf diese Weise zu helfen, eine Kultur des Widerstands zu formen. Und wenn man in der Öffentlichkeit steht, kann man natürlich nicht gleichzeitig im Untergrund sein; es muss eine absolute Trennung zwischen Über- und Untergrund-Aktivitäten und -Organisationen geben. Das ist grundlegende Sicherheitskultur.

Wir bitten niemanden darum, Dinge zu tun, die sie nicht willens sind zu tun. Wir bitten grundsätzlich niemanden darum, irgendetwas Bestimmtes zu tun. Wir müssen alle unsere eigenen Rollen finden, basierend auf unserer persönlichen Einschätzung davon, welche Risiken wir auf uns nehmen können und was unsere Begabungen sind.

Die Mächtigen werden uns bestrafen, wenn wir Widerstand leisten. Es ist egal, ob dieser Widerstand gewalttätig oder gewaltfrei ist. Es ist Widerstand, der das Risiko und die Vergeltung bringt und es ist Widerstand, den unser Planet braucht.

Die Zivilisation ist das Einzige, das gewalttätige Kriminelle davon abhält, Leute zu vergewaltigen/ermorden wie an diesen furchtbaren Orten am anderen Ende der Welt. Wer wird meine Familie beschützen, wenn wir die Zivilisation abreißen?

Derrick Jensen: Vor ein paar Jahren habe ich eine Mail von einem Polizisten in Chicago bekommen. Er las Endgame und mochte es, aber er war der Ansicht, ich sei zu streng mit PolizistInnen. Er sagte: "Es ist unsere Aufgabe, die Leute vor Psychopathen zu beschützen und das ist es, was ich jeden Tag tue. Ich beschütze Leute vor Psychopathen." Ich schrieb zurück: "Ich finde es toll, dass du uns vor Psychopathen beschützt. Als in das Haus meiner Mutter eingebrochen wurde, war die Polizei zu rufen das Erste, was ich getan habe. Als in mein Haus eingebrochen wurde, habe ich die Polizei gerufen. Es ist toll, dass du uns vor Psychopathen beschützt. Mein Problem ist, dass du uns eigentlich nur vor den armen Psychopathen beschützt, nicht vor den reichen Psychopathen."

Nach Bhopal wurde Warren Anderson in Abwesenheit der Prozess gemacht und er wurde für schuldig befunden, die Gräueltaten begangen zu haben, die damit einhergingen, Union Carbide zu leiten. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt. Und die USA weigern sich, ihn auszuliefern. Wenn es nach mir ginge, würden alle Leute hingerichtet, die mit dem Ölteppich zu tun haben, der den Golf von Mexiko ermordet. Das wäre ein Teil der Aufgabe des Staates. Stattdessen ist eine der Hauptfunktionen der Regierung, die reichen Psychopathen vor dem Zorn der restlichen Bevölkerung zu schützen. Wer schützt die Bauern in Indien vor Monsanto? Wer schützt die Bauern in den USA vor Cargill und ADM?

Ich habe eine Benefizveranstaltung für US-AmerikanerInnen mexikanischer Herkunft geleitet, die versuchten, zu verhindern, dass noch mehr Giftmüll in ihrer Nachbarschaft deponiert wird. Der Giftmüll war natürlich von weit weg. Die Unterhaltung wandte sich dahin, wie es wohl sein würde, wenn Polizei und StaatsanwältInnen nicht die Diktate von weit entfernten Firmen durchsetzen und stattdessen auf die Wünsche der lokalen Gemeinschaften achten würden. Was, wenn sie krebsfreie Zonen durchsetzen würden? Oder kahlschlagsfreie Zonen? Oder vergewaltigungsfreie Zonen, wo wir schon mal dabei sind? Und dann lachten alle, weil wir alle wissen, dass das nicht geschehen wird. Was wäre, wenn wir in unseren Gemeinschaften anfingen, Verteidungsgruppen [und Milizen] zu gründen und sagten: "Dies wird eine krebsfreie Zone sein. Dies wird eine kahlschlagsfreie Zone sein. Dies wird eine vergewaltigungsfreie Zone sein. Dies wird eine dammfreie Zone sein." Was würde passieren, wenn wir das täten?

Das ist es genau, worüber wir in diesem Buch reden. Wir wollen, dass unsere Gemeinschaften krebsfrei sind. Wir wollen, dass sie kahlschlagsfrei sind. Wir wollen, dass sie dammfrei sind. Wir wollen, dass sie vergewaltigungsfrei sind. Und wir müssen die Psychopathen stoppen, die uns verletzen.

Wenn die Zivilgesellschaft in einem Patriarchat zusammenbricht, kann die Situation sich stark verschlimmern. Im Fall der Demokratischen Republik Kongo gibt es organisierte Massenvergewaltigungen. Was tun wir dagegen? Eine Sache, die wir tun müssen, ist, uns bereits jetzt vorzubereiten. Das ist der Grund, warum wir in diesem Buch so oft betont haben, dass die Revolutionäre von gutem Charakter sein müssen. Ein Freund von mir sagt, dass er im Naturschutz aktiv ist, weil er sicherstellen will, dass, wenn die Dinge mehr und mehr chaotisch werden, einige Türen offen bleiben. Wenn die Grizzlybären in 20 Jahren ausgestorben sind, werden sie für immer fort sein. Aber wenn sie in 20 Jahren noch da sind, werden sie vielleicht für immer da sein. Das Gleiche trifft auf die Stierforelle zu, es trifft auf die Mammutbäume zu - wenn du den Wald abholzt, ist er weg. Aber wenn er noch steht, wer weiß, was dann in Zukunft passieren wird? Und es ist genauso mit den Einstellungen der Leute; wenn die Dinge mehr und mehr chaotisch werden, werden unkontrollierbare Dinge passieren. Wir müssen sicherstellen, dass gewisse Ideen fest verankert sind, bevor das passiert. Das ist der Grund, warum wir null Toleranz für horizontale Feindseligkeit betont haben, null Toleranz für Gewalt gegen Frauen, null Toleranz für Rassismus. Denn wenn die Zivilgesellschaft zusammenbricht - warum auch immer - werden Männer mehr vergewaltigen, aber die Zeit, dagegen zu kämpfen, ist nicht dann, sondern jetzt.

Es gibt zwei Herangehensweisen an das Problem, dass Männer Frauen sexuell attackieren. Die eine ist ein Satz von Andrea Dworkin: "Mein Gebet für Frauen des 21. Jahrhunderts: verhärtet eure Herzen und lernt zu töten." Frauen müssen Selbstverteidigung lernen, Selbstverteidigungsorganisationen gründen und Feministinnen sein. Und Männer müssen in ihrer Loyalität gegenüber Frauen konsequent sein. Sie müssen eine Null-Toleranz-Politik bezüglich Misshandlung von Frauen haben.

Das Gleiche trifft auf rassistische Verbrechen zu. Wenn das ökonomische System zusammenbricht, werden die, deren Anspruchsdenken sie nach ganz vorne gebracht hat, anfangen, allen anderen die Schuld zu geben (die US-amerikanische Tea Party-Bewegung ist ein gutes Beispiel). Wie Nietzsche schrieb: "Man hasst nicht, solange man noch gering schätzt." Solange die eigenen Privilegien nicht bedroht sind, kann man die gering schätzen, die man ausbeutet. Aber sobald diese Privilegien bedroht sind, verwandelt sich diese Geringschätzung in offenen Hass und Gewalt. Wenn die Zivilisation zusammenbricht, werden wir einen Anstieg von vorwiegend von Männern ausgeübter Gewalt sehen. Wir werden einen Anstieg an Gewalt gegen jene, die Widerstand leisten, sehen. WIr werden einen Anstieg an Gewalt gegen Farbige sehen. Wir sehen es jetzt bereits.

Meine Antwort für Farbige ist: lernt, euch zu verteidigen und gründet Selbstverteidigungsorganisationen. Und die Aufgabe von weißen Verbündeten ist, in unserer Loyalität gegenüber den Opfern von weißer Unterdrückung konsequent zu sein.

Es gab schon viele Widerstandsbewegungen, die Selbstverteidigungsorganisationen und ihre eigene Polizei gegründet haben. Die IRA agierte als Nachbarschaftspolizei, die spanischen AnarchistInnen organisierten ihre eigene Polizei in einigen der größeren Städte und die Gulabi Gang organisiert Frauen, damit sie sich selbst und ihre Gemeinschaften vor der Polizei und männlicher Gewalt beschützen. Wir brauchen etwas Ähnliches. Wie müssen Selbstverteidigungsorganisationen gründen, um jene Menschen und nicht-menschliche Lebewesen zu schützen, die angegriffen und vergewaltigt werden. Diese Angriffe werden weiterhin stattfinden, bis wir sie beenden.

Um deutlich zu sein, Zivilisation ist nicht gleichbedeutend mit Gesellschaft. Die Zivilisation ist eine spezifische, hierarchische Organisation, die auf dem Prinzip des "Macht über" basiert. Die Zivilisation abzureißen, diese Machtstruktur zu beenden, bedeutet nicht, alle soziale Ordnung zu beenden. Letztendlich sollte es mehr Gerechtigkeit bedeuten, mehr lokale Kontrolle, mehr Demokratie und mehr Menschenrechte, nicht weniger.

Wird die Zivilisation nicht einfach wieder aufgebaut werden?

Derrick Jensen: Darauf habe ich mehrere Antworten. Die Erste ist, nein, dies ist eine einmalige Angelegenheit. Die einfach zugänglichen Ölreserven sind alle. Es wird niemals ein zweites Zeitalter des Öls geben. Es wird niemals ein zweites Zeitalter des Erdgases geben. Es wird niemals ein zweites Eisen- oder Bronzezeitalter geben. Und es wird nie mehr - oder eine sehr, sehr lange Zeit nicht mehr - ein Zeitalter der großen Schiffe geben, beispielsweise, weil die Wälder weg sind. Diese Kultur hat so viel zerstört, dass es nicht mehr die Grundlage geben wird, auf der eine ähnliche Zivilisation aufgebaut werden könnte. Die obere Erdschicht, der Mutterboden, ist zerstört. Nein, es wird sich nie mehr eine weitere Zivilisation wie diese erheben. Es könnte - wenn die Menschheit überlebt - einige kleine Zivilisationen geben, aber nie mehr eine wie diese.

Zweitens denke ich nicht, dass das die richtige Frage ist. Es ist wie mitten in der Nacht aufzuwachen und die Schreie deiner Familie zu hören, die gefoltert wird, du blickst auf und siehst, dass da ein Mörder mit einer Axt an deinem Bett steht. Du drehst dich zu der Person, die neben dir schläft und sagst: "Schatz, sag mal, wie wollen wir verhindern, dass morgen ein Axtmörder bei uns einbricht?" Im Moment sind wir in einer Krise und müssen uns mit ihr auseinandersetzen. Ich wünschte, wir hätten den Luxus, uns darum Sorgen zu machen, ob in der Zukunft eine weitere Zivilisation entstehen wird, aber wir haben diesen Luxus nicht. Im Moment müssen wir diese Kultur davon abhalten, den Planeten zu töten und die Leute, die später kommen, sich darum sorgen lassen, ob die Zivilisation sich wieder erheben wird.

Diese Frage erinnert mich daran, wie ich einmal gefragt wurde: "Wie viel Zeit glaubst du haben wir noch?" Ich deutete auf die Person neben der Fragerin. "Stell dir vor, sie wird in dem Raum da hinten gefoltert. Wie viel Zeit hat sie bevor wir handeln müssen? Wie wie lange sollten wir den Folterern erlauben, weiterzumachen, bevor wir sie aufhalten?" Jetzt gerade, in diesem Moment, passieren Ungerechtigkeiten. Zweihundert Spezies sind heute ausgestorben. Und wieviel Zeit hatten sie noch? Keine. Die Frage ist nicht, ob sich die Zivilisation wieder erhebt. Die Frage ist, was wir jetzt tun können, um diese Wesen zu beschützen. Wenn wir das Unrecht sehen, müssen wir es stoppen.

Was soll ich sagen wenn jemand sagt: "Ich will einen Untergrund formen, einem Untergrund beitreten, einen Unterschlupf gründen, etc."

Sag: "Wir sind eine Übergrund-Organisation. Wir wollen nicht daran beteiligt sein. Wir beantworten niemandes Fragen, die darum gehen, eine Untergrundgruppe zu gründen oder einer beitreten zu wollen."

Brich die Unterhaltung sofort ab, wenn die Sicherheit auf dem Spiel steht. Manchmal muss man die Unterhaltung beenden.

Sag nicht "der Untergrund" - das könnte implizieren, dass wir schon in Kontakt mit einer existenten Untergrundorganisation stehen. Sag stattdessen: "ein Untergrund (der vielleicht existiert oder auch nicht)."

Warum nimmt DGR keine offizielle Position zu Impfen, dem 11. September und anderen Verschwörungstheorien ein?

Radikale soziale Bewegungen tendieren dazu, Menschen anzulocken, die Randgruppenpositionen einnehmen. Wir würde niemals versuchen, Leuten vorzuschreiben, was sie persönlich zu glauben haben, aber DGR ist strategisch darin, in welchen Kontroversen wir Positionen einnehmen und wie wir unsere Zeit und Energie einplanen. Diese Überzeugungen helfen DGR nicht, unsere Ziele zu erreichen und könnten Genossen und potentielle Verbündete verschrecken. Wir erwarten, dass Mitglieder, die derartige Positionen einnehmen, sie nicht präsentieren oder diskutieren, wenn sie DGR vertreten oder mit DGR-Arbeit beschäftigt sind.

Die Klimaerwärmung ist eine Realität und auf sie wird in dem Grundlagentext von DGR Bezug genommen.

Manche Randgruppenpositionen, wie Holocaustleugnung, verstoßen gegen die DGR-Prinzipien und den Verhaltenskodex und disqualifizieren die jeweilige Person für eine Mitgliedschaft.

Für mehr Fragen und Antworten siehe auch Deep Green Resistance: An interview with Derrick Jensen and Rachel Ivey (auf Englisch, d.Ü.).

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"Wir brauchen Menschen von allen möglichen Hintergründen, die alle möglichen verschiedenen Dinge tun, um diese Bewegung zu unterstützen und die Denkweise und die Aktionen des Widerstandes fortbestehen zu lassen."
-Sam Leah

"DGR ist unsere letzte, beste Chance."
-Dillon Thomson

"Jede Art der Ressourcenförderung ist ein Akt der Beherrschung und Kontrolle und sagt außerdem aus, dass die Lebensweise, die wir für uns entwickelt haben - die schillernde, schnelle, plastisch-künstliche Lebensweise - wichtiger ist als das Leben selbst."
-Sam Leah

"Das dringlichste Problem der Welt ist der eiserne Stiefel der Zivilisation, der menschliche ebenso wie nicht-menschliche Gemeinschaften niederdrückt."
-Max Wilbert

"Ich liebe es, die Vielzahl von Weisen zu erkennen, auf die die Wildnis ständig arbeitet und sich bemüht, egal, wie zivilisiert ein Ort auch sein mag. Ich liebe es, mir vorzustellen, dass die Zivilisation fällt, wenn diese wilde Kraft sich durch sie durchfrisst."
-Dillon Thomson

"Ich liebe das Land, auf dem ich lebe, wo dichte Nebel zwischen Bäumen und Felsen driften und wo Regen von Moos tropft und Berghänge hinabfließt."
-Max Wilbert

"DGR versteht, dass Widerstand keine Monokultur ist und dass jede Person und jede Art von Aktion notwendig ist."
-Sam Leah

"Wenn du verängstigt oder erstarrt bist, bist du nicht lebendig. Geselle dich zu den Lebendigen, geselle dich zum Widerstand."
-Jennifer Murnan

"Ich glaube nicht, dass es Gewalt ist, das zu verteidigen was man liebt."
-Saba Malik

"Unsere Loyalität gehört der lebendigen Welt, den lebendigen Menschen und dem lebendigen Wald und wir sind bereit, zu kämpfen um sie zu beschützen.
"-Max Wilbert

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